Geschichte

Die 50er-Jahre: Aller Anfang ist schwer

Basketball wurde in Quakenbrück etwa ab 1954 am Artland-Gymnasium gespielt. Im Jahr darauf waren es zwei Sportbegeisterte, die durch Zeitungsartikel für das moderne Ballspiel aus den USA warben und eine Interessengemeinschaft gründeten, die sich dem Quakenbrücker TSV (QTSV) anschloss. Die Pioniere Jürgen Köhler und Dieter Jedam zogen schon bald bei sehr guter Beteiligung ein intensives Training auf.

Den ersten Schritt an die Öffentlichkeit wagten die QTSVer am 28. Oktober 1956, als sie gegen die im Basketball fortgeschrittenen Quakenbrücker Gymnasiasten antraten und erwartungsgemäß klar unterlagen (25:61). Nachdem sich diese Schüler dem Verein angeschlossen hatten, erlebte die Abteilung innerhalb kürzester Zeit einen sprunghaften Auftrieb. In mehreren Freundschaftsspielen kamen die Basketballer zum Teil zu recht achtbaren Ergebnissen. Die Abteilung zählte schon bald zu den leistungsstärksten Mannschaften des Regierungsbezirks. Dank des Initiators, Studienrat Wilhelm Hoffmann, wurde Quakenbrück neben Osnabrück zu einer zweiten Basketball-Hochburg. Bei Freundschaftskämpfen bot der QTSV starke Gegner auf, darunter auch die Oberligisten VfL Osnabrück und TV Essen-Altenessen. Höhepunkt einer schönen Erfolgsserie war die Reise zum Turnier in Bochum am 12./13. April 1958, von der der QTSV ungeschlagen zurückkehrte.

Im Jahr 1958 nahm der QTSV auch erstmalig an Punktspielen teil. Er trat in der Stadtliga Osnabrück an, die später zu einer Bezirksliga avancierte. In ihr hielten sich die Basketballer stets ausgezeichnet, belegten in jedem Jahr einen der vorderen Tabellenplätze.

Die 60er-Jahre: Erste Erfolge auf Landes- und Bundesebene

1961/62 gelang es, besser gesagt, war die finanzielle Grundlage geschaffen worden, den Aufstieg in die Bezirksliga zu wagen. Aber nur eine Saison hielten sie sich in der zweithöchsten Spielklasse des Niedersächsischen Basketball-Verbandes (NBV). Dann verließen die meisten Spieler Quakenbrück, um ihr Studium bzw. ihren Beruf in einer anderen Stadt auszuüben.

Zu den Höhepunkten des QTSV-Basketballlebens zählten internationale Turniere, die seit 1960 regelmäßig in der städtischen Turnhalle an der Burgstraße veranstaltet wurden. Die Zuschauer bekamen spielstarke Mannschaften aus dem norddeutschen Raum und benachbarter Ländern zu sehen. So sicherte sich beispielsweise Agon Amsterdam den ersten Wanderpokal vor EB „SISU“ Kopenhagen. Der Gastgeber gewann bei diesen Turnieren oftmals nur an Erfahrung. Mitte der 60er-Jahre sicherten sie sich beim internationalen Juniorenturnier den Wanderpokal gegen „Treffers“ Enschede.

In den Jahren 1963 bis 1966 war die Basketballabteilung aktiver denn je. Der Herrenmannschaft gelang der Aufstieg in die Landesliga. Daneben wuchsen starke Nachwuchsteams heran. Seit 1966 wird auch Damen- und Mädchenbasketball gespielt. Aus einer der Jugendmannschaften gingen mehrere Junioren-Nationalspieler hervor. Die A-Jugend wurde 1967 Niedersächsischer Landesmeister und Norddeutscher „Vize“. Im Jahr 1969 gelang der Schulmannschaft des AGQ, die fast ausschließlich aus QTSVern bestand, der Sprung zur Deutschen Meisterschaft. Dort musste sie sich nur dem späteren Champion (Max-Planck-Gymnasium Dortmund mit Ausnahmespieler Norbert Thimm) geschlagen geben und wurde Dritter. 

Die 70-Jahre: Von der Verbandsliga in die 2. Bundesliga

Die 1. Herrenmannschaft kämpfte sich aus der Verbandsliga West 1972 mit dem jugoslawischen Trainer Dusan Kostov in die Oberliga und holte sich zwei Jahre später den Landestitel. Nach dem Aufstiegsturnier in Northeim stießen die Basketballer souverän in die 1. Regionalliga Nord vor. Einige der Fans um den Holländer Jan Krikken übernachteten in Northeim im bitterkalten April – es fielen sogar noch Schneeflocken – vor der Halle in Zelten! Verstärkt durch den unvergessenen US-Amerikaner John Anderson starteten die QTSVer in der Regionalliga einen Höhenflug und sicherten sich nach einem nervenaufreibenden Endspurt mit Ex-Nationalspieler Helmut Uhlig als Coach Platz 3 und den Aufstieg in die 2. Bundesliga. 

Drei Jahre lang hielt sich der Kleinstadtverein in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Fast nur mit „echten“ Quakenbrückern wie Günter Kollmann, Wolfgang Lampe, Bernd Middendorf, Rüdiger Schleid, Herbert Seeliger oder Uwe Weyerbrock angetreten, ärgerte der QTSV als David so manchen Goliath aus den Metropolen. Schon die erste Saison hatte es in sich: Mit 0:14 Punkten gestartet, kam durch den Sieg über NSF Berlin die Wende. Der QTSV legte mit John Anderson die zweitbeste Rückserie aller Klubs hin, bezwang sogar den Top-Favoriten Hamburger TB, der den „heißen Atem“ der Drachen-Vorgänger längst im Nacken spürte. Mit Joachim Linnemann als einem der ersten Deutschamerikaner überhaupt war der QTSV Vorreiter für die Bundesliga. 

Einer der Höhepunkte dieser Ära war auch der Kampf um den Einzug ins Achtelfinale des DBB-Pokals gegen Bayer Leverkusen. Der Abonnementmeister hatte nach eigenem Bekunden Schwierigkeiten, auf der Landkarte den Austragungsort Essen/Oldb. zu finden, wo die QTSVer mangels vorschriftsmäßiger eigener Halle auflaufen mussten. Freundschaftsspiele gegen die Nationalmannschaften des Sudan oder der CSSR folgten. Mehr als 500 Zuschauer erlebten einen Herzschlagsieg über den Lokalrivalen BG VfL/OSC Osnabrück. US-Center Clint Chapman kam aus der 1. Bundesliga für John Anderson, als Spielertrainer fungierte Gerd Güldenpfennig. In der vorerst letzten Zweitligasaison 1977/78 hätte der QTSV – inzwischen ausschließlich mit Amateuren besetzt – fast noch den Klassenerhalt geschafft, aber das entscheidende Relegationsspiel in Dortmund wurde knapp verloren. 

Die 80er-Jahre: Erfolglose Zeit endet mit Landesliga-Titel

So kometenhaft, wie der Neuling einst aufgestiegen war, ging es nach dem unglücklichen Abstieg 1978 auch wieder talwärts. In den Punktspielen gab es wenig Erfolge, dafür sorgte Martin Lampe abseits des Parketts mit dem „Abend für Afrika“ für einen Höhepunkt der Saison.1500 Zuschauer feuerten die QTSVer an beim Spiel gegen BC Giants Osnabrück in der neu erbauten Artlandhalle. Erst mit Rüdiger Schleid als Spielertrainer endete 1984 die erfolglose Zeit. Leider flog „Ütze“ kurz vor der Beinahe-Meisterschaft in der Landesliga zum polizeilichen Einsatz als Leibwächter des deutschen Botschafters in den Krisenherd Beirut. Im Jahr darauf glückte mit Spitzenspieler Wojtek Zdrodowski aus Polen – heute längst deutscher Staatsbürger – und Coach Eckhard Meyer (vom Meister VfL Osnabrück) der Titelgewinn in der Landesliga. 1985 holte Quakenbrück in Wolfenbüttel den Niedersächsischen Pokal. 

Auch ohne ständig im Rampenlicht zu stehen, erzielten die Basketballdamen einige Erfolge. Sie holten 1985 und 1986 den Niedersächsischen Pokal, waren 1986 außerdem Landesmeister. 

Die 90er-Jahre: Der Aufstieg in die BBL rückt näher

Das anschließende Auf und Ab war nichts für schwache Nerven: Vier Jahre Oberliga, 1990 Abstieg in die Landesliga, 1992 wieder hinauf in die 2. Regionalliga, 1993 erneut in die Oberliga. Günter Kramer hatte als Sparten-Chef längst die Nachfolge von Bernd Middendorf und Edgar Toepfer angetreten. Der Abteilungsleiter hielt eisern durch, und tatsächlich kamen wieder bessere Zeiten. Seine Jungs gewannen 1994 mit Erfolgstrainer Zdrodowski und dem russischen WM-Teilnehmer Alexander Khartchenkov das Aufstiegsturnier zur 2. Regionalliga in Quakenbrück mit Siegen gegen DTV Charlottenburg (80:73) und Fiko Rostock (103:53). 

Auch die weibliche A-Jugend war erfolgreich. Sie wurde 1989, 1991 und 2000 niedersächsischer Vizemeister, ebenso die D-Jugend 1989 und die B-Jugend 1999. Lohn der konstanten und intensiven Aufbauarbeit: Die erfolgreichen Damen stiegen 1995 in die 1. Regionalliga auf, der sie mit Trainer Werner Reihs schon Jahre zuvor angehört hatten.

Jetzt knüpfte auch die 1. Herrenmannschaft an die Erfolge früherer Jahre an: 1995 kam der Aufstieg in die 1. Regionalliga, außerdem holten sie mit einem 104:88 gegen Lokalrivalen TSG Westerstede den Niedersächsischen Pokal. 1996 folgte dann endlich der ersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zum Kader gehörten die Quakenbrücker Jürgen Kirk, Jan Meister, Michael Solga, Guido Thöle sowie Rückkehrer Marcus Preemann, der beim BC Giants und in Oldenburg erstklassig gespielt hatte. Die Zugänge Hendrik Wellmann, Markus Leuchten, Björn Marquardt und Holger Thamm, aber auch schon Profis wie Sympathieträger Uli Knost aus Bramsche und Ex-Nationalspieler Sven Meyer waren dabei. Natürlich gehörte auch der US-Amerikaner Christopher „Chris“ Fleming da schon zum Team.

In den Jahren zwischen 1996 und 2000 berichteten Lokal- und Sportpresse fast täglich von den wechselnden Erfolgen der „Artland Dragons“, wie die Quakenbrücker Korbjäger sich jetzt nannten. Im ersten Anlauf war der Klassenerhalt – ähnlich wie Mitte der 70er-Jahre – zunächst nur mühsam zu schaffen. Es folgte von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Steigerung, mit der Fans und Sponsoren zufrieden sein konnten. Zuschauer überfüllten die Ränge bei der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1997/98 gegen Brandt Hagen, MTV Gießen, USC Heidelberg, TV Langen und BC Johanneum. Platz vier nach der Hauptrunde 1998, Platz drei 1999 hinter BCJ Hamburg und SSV Weißenfels, aber noch vor TuS Lichterfelde, Oldenburg, Göttingen und Hannover – die Begeisterung war grenzenlos, ein eigener Fan-Klub wurde geboren. Namen wie Fleming, Gacaev, Woltmann sowie Horrocks, Kamenjasevic und Lanes bürgten für Qualität oder zumindest für Originalität.

Trainer Toni Bevanda, der den engagierten Brian Muldowney abgelöst hatte, schien mit dem Team nach den Sternen zu greifen, denn im DBB-Pokal gelang ein sensationeller 65:63-Erfolg über den Erstliga-Vierten TV Tatami Rhöndorf. Wenige Wochen später wäre die Basketballwelt fast noch einmal aus den Angeln gehoben worden: Im Hexenkessel der Artlandhalle musste auch der nächste Cup-Gegner TSK Würzburg mit dem designierten NBA-Star Dirk Nowitzki fast dran glauben. Jan Sprünken, Johnny Griffin & Co. wuchsen in dieser Partie über sich selbst hinaus. Nowitzki, der eigentlich schon bei den Dallas Mavericks verpflichtet war und sich nur aufgrund eines NBA-Spielerstreiks in der deutschen BBL fit hielt, rettete schließlich mit seinen 33 Punkten den hauchdünnen 77:74-Erfolg der Würzburger.

Die „Zweite“ hatte sich derweil mit Spielertrainer Zdrodowski und einer ehrgeizigen Mischung aus Routiniers wie Eckhard Potratz, Jan Meister, Christian Thoms und Volker Trunt, aber auch Youngstern wie Dirk Buchholz, Lutz Fischer oder Jens Tepe gemausert, stieg innerhalb weniger Jahre über Bezirksliga und Bezirks-Oberliga in die Oberliga auf. Die Oldies (mit einem Durchschnittsalter von fast 40 Jahren) erkämpften 1995 Platz 5 bei der Senioren-Meisterschft II in Hagen, die „Dritte“ wirbelte zeitweise in der Kreisliga, die „Fünfte“ in den Landkreisen Osnabrück und Emsland – nachdrängende Jugendlichen fanden diverse Angebote, der Unterbau für die 1. Herrenmannschaft war gut aufgestellt. 

Wie schwer der Sprung in das Oberhaus des deutschen Basketballs trotz solcher Cracks wie David Picton oder Nils Becker sein kann, zeigte sich nicht nur nach dem dritten Platz (1999/2000) hinter Oldenburg und Rhöndorf in der vom OTB und TuS Lichterfelde dominierten anschließenden Aufstiegsrunde. 

21. Jahrhundert: Endlich im Oberhaus angekommen

Insbesondere in der bisher spannendsten Saison 2000/2001 standen Headcoach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram dicht vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Fast 2000 Zuschauer in der Sporthalle Artland und 400 per Videoleinwand im Zelt verfolgten das Finale zwischen Quakenbrück und Rhöndorf, das die Gäste in einem wahren Krimi nach zwei Verlängerungen glücklich mit 100:97 gewannen. US-Star Washington wurde von Götz Rohdewald lange beherrscht, war aber schließlich effektiver als Townsend Orr auf der Gegenseite. Die Drachen unternahmen in der nächsten Saison einen glücklosen Versuch, sich vor dem starken Erstligaabsteiger BCJ Hamburg zu platzieren. 

Danach rüsteten die Artland Dragons noch einmal auf. Mit der Option auf eine 3000-Plätze-Arena wurde ein neuer Angriff auf die erste Liga gestartet. Die weitere Erfolgsstory der Zweitligasaison 2002/2003 ist schon oft beschrieben worden: 30 Spiele, 30 Siege, Bundesligist EnBW Ludwigsburg im Pokal geschlagen und gegen Bundesligist ReinEnergie Köln nur knapp verloren, souveräner Aufstieg in die 1. Bundesliga – die „Artland Dragons“ schrieben Basketballgeschichte, noch bevor sie das Oberhaus erreichten. Der neu verpflichtete Manager Marko Beens, Head-Coach Chris Fleming und Co-Trainer Ritz Ingram machten zusammen mit dem „Dream-Team“ (Michael Jordan, Johnny McNeil, Konstantinos Stavropoulos, Mislav Ucovic, Jamie Duncan, Arne Woltmann, Ingo Freyer, Refiloe Lethunya, Daniel Strauch und Demekssa Duresso) einen Traum wahr. Und: Zum Kader gehörten mit Steffen Müller und Alexander Schwarz auch zwei Quakenbrücker Talente.

Saison 2003/2004: Aufsteiger mischt BBL auf

Endlich im Basketball-Oberhaus angekommen, setzten die Dragons dort ihre Erfolgsstoy fort. Das Team von Trainer-Duo Fleming und Ingram wurde durch den US-Amerikaner A.J. Granger, den „Oldenburger“ Jens-Uwe Gordon und den Griechen Sotirios Karapostolou verstärkt. Zwar starteten die Dragons mit einer 74:75-Niederlage in Hagen, das Ergebnis wurde aber wegen des Hagener Bankrotts elf Spieltage später gestrichen. Bei der Heimpremiere gegen Gießen, wussten die Drachen worauf es ankam. Mit 27 Punkten schickte das Team um Michael Jordan die Hessen nach Hause. 3000 Zuschauer in der ausverkauften Artland Arena waren begeistert. Einer Niederlage gegen den Meister aus Berlin folgte ein Heimsieg gegen RheinEnergie Köln. Für das Starensemble war es die fünfte Niederlage in Folge, Trainer Stephan Baeck wurde entlassen. Unvergessen bleiben auch die Siege zu Hause gegen Bonn (79:69) sowie auswärts gegen Leverkusen (99:88) und Bamberg (78:75), als Sotirios Karapostolou kurz vor Schluss das Spiel mit einem Dreier entschied. 

Sechs Spieltage vor dem Ende der Rückrunde fanden sich die Dragons auf einem Playoff-Rang wieder, die Sensation schien greifbar. Obwohl gegen Karlsruhe, Bonn und den späteren Meister Frankfurt Niederlagen folgten, hatten die Dragons auch am letzten Spieltag noch die Chance auf Platz acht. Michael Jordan und Co. Erfüllten ihre Pflicht und siegten gegen Braunschweig, doch auch die beiden Mitkonkurrenten um die Playoff-Plätze, Köln und Leverkusen, gewannen. Natürlich war die Enttäuschung bei den Fans nach dem unglücklichen Abschneiden groß, doch am Ende überwog der Stolz über die erste Bundesliga-Saison. Das Ziel war schließlich der Klassenerhalt, um den sich niemand ernsthaft Sorgen gemacht hatte.

Saison 2004/2005: Artland Dragons schreiben Erfolgsgeschichte weiter

Und plötzlich ist es ganz leise in der Quakenbrücker Artland Arena. Gerade hat der Frankfurter Aufbauspieler Tyrone Ellis einen Dreier zum 62:65 gegen die Artland Dragons verwandelt. Noch 40 Sekunden zeigt die Anzeigetafel in diesem vierten Playoff-Spiel zwischen dem deutschen Meister Opel Skyliners Frankfurt und dem Außenseiter aus Quakenbrück. Die Frankfurter haben Ballbesitz, die Saison scheint für die Mannschaft von Dragons-Headcoach Chris Fleming beendet.

Es war der Höhepunkt der Saison. Zum ersten Mal zogen die „Drachen“ 2005 in der langjährigen Quakenbrücker Basketballgeschichte in die Playoffs der Basketball Bundesliga (BBL) ein. Und das nach einer Saison, die durchwachsen begann und so gar nicht die hohen Erwartungen befriedigen konnte. Als Aufsteiger hatten die Spieler um Kapitän Michael Jordan im Jahr davor nur knapp die Playoffs verpasst. „Wir wollen in der Mitte der Tabelle landen“, gab Dragons-Geschäftsführer Marko Beens das Ziel vor. Die Mitte: Bei 16 Mannschaften bedeutet das Platz acht oder neun. 

Einen Start nach Maß legten die Artland Dragons im ersten Spiel der Saison bei BS|Energy Braunschweig hin: 91-72. Nach dem vierten Saisonspiel wies die Tabelle zwei Siege und zwei Niederlagen für die Dragons auf. Aber mit GHP Bamberg und RheinEnergie Köln stellten sich den „Drachen“ dann zwei echte Spitzenmannschaften (Vizemeister und Pokalsieger) in den Weg. Aus 4:4 Punkten wurden ganz schnell 4:8 Punkte. Wie stark die Mannschaft aus Quakenbrück wirklich ist, zeigten allen voran der beste Drei-Punkte-Schütze der Liga, Marko Bulic, und seine Kameraden in den Wochen bis Weihnachten. Vier deutliche Siege in der BBL und der Einzug ins Pokalachtelfinale ließen die Fans jubeln.

Diese stellten auch in diesem Jahr wieder einen Rekord auf: Alle Heimspiele der Basketballer in der Artland Arena waren restlos ausverkauft. Oft dauerte es nicht einmal 20 Minuten, da waren keine Karten mehr zu haben. Einige Fans campierten sogar schon morgens früh vor den Vorverkaufsstellen, um sich Tickets zu sichern. Für Co-Trainer Ralf Rehberger, vor dieser Saison zu den Dragons gewechselt, sind die Quakenbrücker Fans etwas ganz besonderes: „Beim ersten Spiel wusste ich ja nicht, was mich erwartet. Natürlich: Es wird dunkel, die Fans klatschen, die Spieler laufen ein – das alles habe ich ja schon so oft erlebt“, erklärt Rehberger. „Aber als ich zum ersten Mal gesehen habe, wie die Cheerleader in die Arena kommen, dann Tobi der Drache seinen Salto macht und plötzlich toben die Fans – da läuft einem ein kalter Schauer den Rücken runter.“

In das neue Jahr startet das Fleming-Team mit einer knappen Niederlage gegen ALBA Berlin, das Spiel endet mit einer Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Trainer Emir Mutapcic, dem ALBA-Manager Henning Harnisch und Fleming, weil sich die Dragons vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlen. Die BBL verhängt anschließend Geld-Strafen gegen alle drei Beteiligten.

Sportlich gibt es bei den Quakenbrückern immer wieder Rückschläge. Vor allem die Verletzung von Topscorer Marko Bulic und mehrere Angeschlagene machen es den beiden Trainer Fleming und Rehberger schwer, konstante Leistungen aus dem Team herauszuholen. Ohne Center Darius Hall und dem Kroaten Bulic empfangen die Artland Dragons den Vizemeister GHP Bamberg mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Doch der Teamgeist und die fantastischen Fans in Quakenbrück bescheren den Dragons einen überraschenden 94:72-Sieg. Eine Woche später legt eine Grippe-Welle die ganze Mannschaft flach. Weil RheinEnerige Köln einer Spielverlegung nicht zustimmt, müssen die Dragons mit den noch vier gesunden Spielern Arne Woltmann, Igor Jokic, Hrvoje Puljko und Jan Rohdewald nach Köln reisen. Das Spiel findet nicht statt und wird 1:0 für Köln gewertet.

Sechs Spieltage vor Schluss haben die „Drachen“ dann die Möglichkeit in Karlsruhe gegen den direkten Playoff-Konkurrenten vorzeitig den Einzug in die Runde der letzten Acht klar zu machen. Doch das Team zeigt Nerven, verliert knapp mit 77:79. Nach dem 28. Spieltag ist es dann endlich soweit: Nach der Niederlage von Ludwigsburg gegen Gießen können die Dragons nicht mehr aus den Playoff-Rängen verdrängt werden. Beflügelt von der Sicherheit gelingt den Dragons auch der erste Sieg gegen Serienmeister ALBA Berlin.

Die Tabellen-Konstellation beschert den Artland Dragons, die Fünfter werden, den deutschen Meister Frankfurt (Vierter) als Playoff-Gegner. „Das ist die Mannschaft, die uns am wenigsten liegt“, sagt Fleming. Und das einzige Team, gegen das die Dragons in der regulären Saison nicht gewinnen konnten. Unerwartet schwer tut sich der Favorit im ersten Spiel in Frankfurt, macht den Sieg erst in der Schlussphase klar. Das zweite Spiel in Quakenbrück gewinnen die Drachen und auch im dritten Spiel in Frankfurt sind sie einem Sieg ganz nah, doch Frankfurt spielt in der Schlussphase seine ganze Routine aus.

Toll gekämpft, und dann in der Artland Arena, im vierten Spiel, 40 Sekunden vor Schluss, das endgültige Aus durch Tyrone Ellis? Ohne die Quakenbrücker Fans. „DEFENSE, DEFENSE!“, tönt es von den Rängen in einer Lautstärke, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Es hilft. Marko Bulic holt sich den Ball von Tyrone Ellis, dribbelt an die Drei-Punkte-Linie und wirft. Die 3000 Fans halten den Atem an. Der Schiedsrichter streckt die eine Hand mit drei erhobenen Fingern nach oben, die zweite folgt – der Ausgleich, Verlängerung! Das Spiel bleibt hart umkämpft, aber die Dragons holen den Sieg und erzwingen ein fünftes Spiel gegen den deutschen Meister.

800 Fans begleiten ihr Team nach Hessen und werden Zeuge, wie den Quakenbrückern die Kräfte schwinden. Die Niederlage fällt deutlich aus, die Saison ist beendet. „Ich ärgere mich über das dritte Spiel, das hätten wir gewinnen müssen“, sagt Chris Fleming auch zwei Tage nach dem Aus noch. Doch wer hätte vor der Saison gedacht, dass die Dragons den deutschen Meister zu fünf Spielen im Playoff-Viertelfinale zwingen? Dadurch hat sich der Basketball-Club aus der 13.000-Einwohner-Stadt endgültig Respekt verschafft in der BBL. „Ich weiß nicht viel über Quakenbrück, aber ich weiß, dass sie eine sehr gute Basketball-Mannschaft haben“, sagt Frankfurts Trainer Murat Didin. „Und fantastische Fans.“ Und die werden die Artland Dragons auch in der kommenden Saison verzücken.

Saison 2005/2006: Ein Wechselbad der Gefühle

8. April 2006 – Freudestrahlend und feuchtfröhlich feiern die Artland Dragons nach dem letzten Heimspiel der Hauptrunde auf der Saisonparty mit ihren Fans die bislang turbulenteste, aber auch erfolgreichste Spielzeit der Quakenbrücker Basketballer in der Basketball Bundesliga. Zurecht! Denn wer hätte gedacht, dass sich die Dragons nach dem schwächsten Saisonstart in der Bundesliga und diversen Zwischentiefs erneut für die Play-off-Runde um die deutsche Meisterschaft und darüber hinaus erstmals für das Top Four-Turnier qualifizieren?

Dabei startete die dritte Bundesliga-Spielzeit der Fleming-Truppe im Oktober 2005 gleich mit einem Paukenschlag: Nach guter Vorbereitung mit glanzvollen Testspielsiegen über Groningen und Besiktas Istanbul wartete mit Serienmeister Alba Berlin gleich am ersten Spieltag der Meisterschafts-Topfavorit auf die Burgmannstädter. In Erinnerung bleibt jedoch weniger die nur knappe 80:89-Niederlage. Nach internen Disziplin-Verstößen suspendierten die Artland Dragons Spielmacher Michael Jordan und lösten kurz darauf in beidseitigem Einverständnis den Vertrag mit Jordan auf. 

Ohne etatmäßigen Aufbauspieler verloren die Dragons zunächst ihre ersten beiden Spiele, schienen sich aber nach den Siegen gegen Karlsruhe und Köln gefangen zu haben. Die Dragons-Niederlage vor heimischem Publikum am achten Spieltag gegen den TBB Trier besiegelte jedoch den schwächsten Saisonstart der Dragons aller Zeiten, denn mit nur zwei Siegen aus acht Spielen lag der kleinste Bundesliga-Standort deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Doch die Dragons-Führung setzte ein Zeichen und stärkte mit der Vertragsverlängerung bis 2008 ihrem Cheftrainer Chris Fleming den Rücken. Das Vertrauen zahlte sich aus: Es folgte ein grandioser Verlängerungs-Sieg bei den Telekom Baskets Bonn, zugleich Start einer langen Siegesserie. Acht der neun anstehenden Bundesliga-Partien entschieden die Dragons mit ihrem neuen Spielmacher Filiberto Rivera für sich, darunter auch ein deutlicher Erfolg beim deutschen Meister GHP Bamberg, dem Darius Hall & Co. beim 89:75 die erste Heimspielniederlage seit langem zufügten. 

Die Integration der zwischenzeitlich nachverpflichteten „Luftwaffe“ Tommy Lee Smith verlief schneller als erhofft und mit spektakulären Dunks und Blöcken spielte sich die Nummer 20 in die Herzen der Fans. Als umso schmerzhafter entpuppte sich Smith’ komplizierte Handverletzung, die den schlaksigen US-Amerikaner sechs Wochen außer Gefecht setzte. Allgemein war es um die Gesundheit der Dragons oftmals kritisch bestellt: Flügelspieler Tory Walker schleppte über die gesamte Spielzeit diverse Verletzungen mit sich herum und war dadurch nur selten in der Lage sein großes Potential zu nutzen. Auch Leistungsträger wie Dragons-Allstar Bryan Bailey und Allrounder Chad Prewitt standen den Trainern mit starken Handicaps lange Zeit nicht zur Verfügung. 

Nach der Vertragsauflösung mit Barisa Krasic, der nicht die erhoffte Verstärkung gebracht hatte, fehlte den Dragons nun zusätzlich eine Alternative, was sich besonders in einem kleinen Zwischentief mit vier Niederlagen in Folge bemerkbar machte. Doch erneut rissen sich die Dragons zusammen und führten mit einem Auswärtssieg die Trendwende herbei: Mit dem 83:72-Pokalsieg bei der BG Karlsruhe beendeten die Quakenbrücker nicht nur eine kleine Niederlagen-Serie, sondern qualifizierten sich sogar für das Pokal-Viertelfinale, in dem sie sich mit dem Bezirksrivalen EWE Baskets Oldenburg messen sollten. Nach dem heimischen Ligaerfolg über die Oldenburger besiegten die Dragons den Nachbarn nach einer grandiosen Energieleistung auch im Pokal und qualifizierten sich mit dem 77:73-Erfolg in der Artland Arena erstmalig für das Top Four-Turnier. Dieser historische Sieg und der starke Endspurt in der Liga mit fünf abschließenden Siegen, darunter erneut ein berauschender Sieg über den deutschen Meister aus Bamberg, ließen auch die empfindliche 91:98-Niederlage gegen den direkten Play-off-Konkurrenten aus Bonn vergessen. 

Das Team der Artland Dragons bedankte sich nach der Hauptrunde mit einer großen Saisonparty bei ihren Fans für deren schier unendlich großen Unterstützungskraft – auch und vor allem während der schwächeren Spiele. Einmal mehr stieß die Begeisterung der Anhänger in neue Dimensionen vor: Mehrere Hundertschaften Fans begleiteten ihr Team beispielsweise nach Köln zum Aufeinandertreffen mit Ex-Drache Michael Jordan und fast schon standardmäßig reisten nahezu 800 Fans zu den Auswärtsspielen nach Oldenburg und nach Bremerhaven.

Nach einer guten Vorstellung beim Top Four-Turnier in Bamberg, wo es nach zwei unglücklichen Niederlagen gegen Gastgeber Bamberg und den Giessen 46ers „nur“ zum vierten Platz reichte, wollten es die Mannen des Trainergespanns Fleming/Rehberger in der Viertelfinal-Serie gegen die Eisbären Bremerhaven besser machen. Es sollte die packendste Serie aller Viertelfinals werden. Die Dragons gewannen ihre beiden Heimspiele souverän und erzwangen bei den ebenfalls in eigener Halle erfolgreichen Eisbären ein entscheidendes fünftes Spiel. Dass es dort trotz starker Leistung beim 61:64 am Ende nicht ganz zum Sieg reichte und die Dragons erneut den Einzug ins Halbfinale verpassten, sorgte bei Spielern und Fans zunächst für große Enttäuschung. 

Wer jedoch rückblickend auf die gesamte Saison blickt, kann mit Fug und Recht stolz auf die Artland Dragons 2005/2006 sein: Ein Team, das sich nach allen personellen Turbulenzen und trotz Verletzungspech sportlich gefangen hat und mit ihrer Dynamik und Athletik regelmäßig 3000 Dragons-Fans in der Artland Arena mit spektakulären Szenen verzückte. Dass darüber hinaus mit der Qualifikation zum Top Four und dem erneuten Einzug in die Play-offs auch der Erfolg nicht zu kurz kam, spricht für eine gelungene Spielzeit.

Und so feierten die Fans mit „ihren“ Spielern an eben jenem 8. April bis tief in die Nacht. Als wüssten sie bereits, dass die Spielzeit 2005/2006 eine ganz besondere und unvergessliche Saison sein würde!

Saison 2006/2007: Ein Lazarett auf Höhenflug

„Jungs, ich habe ein gutes Gefühl, dass wir in dieser Saison etwas Großes erreichen werden.“ Als hätte Dragons-Geschäftsführer Marko Beens bereits eine Vorahnung gehabt, sprach er diese Worte im August 2006 zum Abschluss des allerersten Mannschaftstreffens zu den neuen und alten Drachen. Sechs verbliebene und vier neue Spieler begrüßte Dragons-Headcoach Chris Fleming zum Trainingsauftakt der Saison 2006/2007 und gab damit den Startschuss zur bislang erfolgreichsten Spielzeit der Artland Dragons.

Nach den ersten Trainingswochen und dem Trainingslager in Rotenburg/Fulda deutete sich an, wie gut dem Drachendompteur Fleming es gelungen ist, die sechs Abgänge (darunter Publikumsliebling Marko Bulic) zu kompensieren und dem neuen Team einen sympathischen und erfolgshungrigen Geist einzuhauchen. Und so sehr die ersten Wochen von positiven Eindrücken geprägt waren, um so ärger traf es die Quakenbrücker Basketballer in den letzten Wochen der Saisonvorbereitung: Nachdem sich Bryan Bailey in einem Testspiel das Innenband im Knie riss, brach sich Neuzugang Lamont McIntosh seinen linken Mittelfuß und auch Routinier Jan Rohdewald verpasste nach der Diagnose eines schweren Infekts mit Herzbeteiligung den Saisonstart. 

Allen Umständen zu trotz gelang dieser dennoch ganz passabel und die Fleming-Truppe gewann die ersten drei Spiele. Der nachverpflichtete Sean Dockery fügte sich mit seiner Kämpfernatur nahtlos ins Mannschaftsgefüge ein, welches auch nach drei folgenden Niederlagen nicht auseinander zu fallen drohte. Angeführt vom Neuzugang und Topscorer Adam Hess, der monatelang unangefochten die Korbjägerliste der Liga anführte, gewannen die Quakenbrücker Profi-Basketballer sechs der ersten neun Spiele und standen in der Tabelle unter den vier besten Mannschaften.

Im ersten Fernsehspiel der Saison gab es jedoch eine derbe Klatsche gegen die Bremerhavener (62:94) und auch die Heimniederlage gegen ALBA Berlin nagte an den Gemütern der Dragons-Akteure, zumal mit Brian Thornton in der Zwischenzeit ein weiterer wichtiger Spieler mit einem Knie-Innenbandriß mehrere Monate ausfiel und der nachverpflichtete Julian Terrell leider nicht die Lücke unter dem Korb stopfen konnte. So war Mannschaftskapitän Darius Hall weitestgehend in Brettnähe auf sich allein gestellt, wusste aber den immer stärker werdenden Chad Prewitt neben sich, als die Dragons sich scheinbar fingen und die nächsten drei Siege in Serie erspielten – exklusive einem ungefährdeten Pokalerfolg beim Regionalligisten aus Stahnsdorf. Überhaupt gab es im Dezember viele Emotionen, als der gefeierte Sean Dockery aus dem Team ausschied, weil Lamont McIntosh sich zunächst gesund zurückmeldete, aber eine Woche später im Training erneut einen Mittelfußbruch erlitt, diesmal rechts. Und so konnte Cheftrainer Fleming erneut nicht mit seiner angedachten Formation auftreten und musste umplanen. 

Der zum Jahreswechsel nachverpflichtete Scharfschütze David Jackson verhinderte es jedoch auch nicht, dass die Dragons auswärts gleich zwei Mal arg patzten: Mit unerwartet hohen Pleiten bei den Aufsteigern aus Ulm und Paderborn schien den verletzungsgeplagten Quakenbrückern die Pause des All Star-Days gerade recht. Dort wären in der Kölnarena zum ersten Mal drei Dragons-Akteure vertreten gewesen, doch BBL-Topscorer Adam Hess und der im Dunking-Contest nominierte Tommy Smith mussten verletzungsbedingt absagen, sodass Center Darius Hall in der Starting Five der Nordauswahl der einzige Drache war.

Dass auf Niederschläge bekanntlich Höhepunkte folgen, bewiesen die Artland Dragons in den darauf folgenden Wochen, als sie gegen Nürnberg deutlich und in Bamberg knapp siegten. Den Sieg bei den starken Oberfranken, die sich zwischenzeitlich die Dienste Dockery's sicherten, bezahlte der Trainerstab um Chris Fleming und Ralf Rehberger jedoch teuer, da der bislang wertvollste Spieler der Südniedersachsen Chad Prewitt mit einem Innenbandriß im Knie die nächsten drei Monate ausschied. Zwar zogen die Artländer durch einen Sieg beim Zweitligisten Chemnitz souverän ins Viertelfinale des BBL-Pokals ein, doch in der Liga setzte es ernüchternde Niederlagen gegen Ludwigsburg, Braunschweig und Leverkusen. 

Nach und nach meldeten sich die Verletzten aus dem Lazarett zurück, doch die Vorbereitung schien von Woche zu Woche von Neuem zu beginnen. Mit dem Sieg im Pokal beim Ligakonkurrenten Paderborn Baskets erreichten Darius Hall & Co. zwar mit der Qualifikation zum TOP FOUR ein Zwischenziel, doch nach den vier darauf folgenden Niederlagen in der BBL rutschten die Dragons erstmals aus den Play-off-Rängen. „Vier Siege aus den letzten fünf Spielen“ gab Headcoach Fleming in seiner siebten Saison als Cheftrainer als Marschroute vor. Und tatsächlich rauften sich die Drachen noch einmal für den Schlussspurt zusammen, gewannen die Spiele gegen Trier, Frankfurt, Köln und Ulm und qualifizierten sich kurz vor dem K.O. doch noch für die Runde der besten Acht. 

Fast „nebenbei“ besiegten die Artländer im TOP FOUR-Halbfinale Nord-Konkurrent Bremerhaven in einem Herzschlagfinale und hätten es fast auch im Pokalfinale gegen Köln zum großen Coup geschafft, doch das Verletzungspech, dass sich wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit zog, schlug im Finale diesmal bei Kapitän Darius Hall zu und der Pokalerfolg wurde knapp verpasst (58:60).

Ende Mai begannen nun die Play-offs und Drachendompteur Fleming wunderte sich einstweilen, dass zum Start der Bestenrunde alle seine Spieler gesund waren. „Ein ganz neues Gefühl für uns,“ meinte der „eingebürgerte“ Quakenbrücker Trainer lakonisch, nachdem seine Mannschaft im Play-off-Viertelfinale Geschichte schrieb und als Achtplatzierter das topgesetzte ALBA Berlin mit 3:0 aus dem Wettbewerb warf - das Quakenbrücker Sommermärchen begann. Euphorisch wurde das Team nach dem historischen Triumph - noch nie hatte ein Hauptrunden-Achter den Hauptrunden-Ersten geschlagen - mitten in der Nacht gefeiert. Auch jeder weitere Sieg im Halbfinale gegen den Meister und Pokalsieger Köln bedachte die Dragons-Fangemeinde mit langen Spontanpartys. Angespornt durch das neue „Wir-Gefühl“ innerhalb des Teams und der Stadt demontierten Bailey, McIntosh & Co. die favorisierten Kölner im entscheidenden fünften Spiel und zogen erstmals in der Vereinsgeschichte ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein. 

Diese Sensation rief nun bundesweit die Medien auf den Plan und die Berichterstattung über das BBL-Finale sprengte ungebremst den bis dahin bekannten Rahmen – „David gegen Goliath“ hieß es in den Zeitungen und Basketballdeutschland erlebte mit, wie der David aus Quakenbrück dem hochgehandelten Favoriten aus Bamberg im ersten Finalspiel den Heimvorteil klaute. Aber auch diesen Erfolg büßten die Quakenbrücker mit dem verletzungsbedingten Verlust ihres überragenden Spielmachers Filiberto Rivera ein. Ohne ihren etatmäßigen Dirigenten stemmten sich die verbliebenen Dragons gegen die starken Bamberger, ehe sie sich nach dem vierten Finalspiel vom großen Traum der Meisterschaft verabschieden mussten. 

Die Dragons verloren vielleicht das Finale, aber gewannen viele Herzen im deutschen Basketball, was ein Fan der Telekom Baskets Bonn bewies, als er meinte „Heute sind wir alle ein bisschen Quakenbrück!“ Und so weilte die Enttäuschung bei den Spielern nur kurz, auch weil ihre Fans und eine ganze Region ihre Helden direkt nach dem Spiel und auf dem großen Empfang am eigens erbauten Rathausbalkon wieder aufbaute – ein versöhnlicher Abschluss einer sagenhaften Spielzeit, in der ganz nach der Prophezeiung des Geschäftsführers Marko Beens „Großes bewegt“ wurde.

Saison 2007/2008: Dragons entflammen Europa

„Artland!“ - „Dragons!“, „Artland!“ - „Dragons!“ schallen die Wechselgesänge von der Mannschaft mit den Fans vom Marktplatz aus durch ganz Quakenbrück. Rund 3000 Anhänger feiern einen ganz besonderen Erfolg: der ersten Titel für die Artland Dragons! Wenige Stunden zuvor hatte das Team von Dragons-Headcoach Chris Fleming mit einem 74:60-Sieg über EnBW Ludwigsburg in der Hamburger Color Line Arena das wahr gemacht, wovon viele langjährige Fans nur zu träumen gewagt hatten: Die Dragons sind deutscher Pokalsieger 2008. Und das, nachdem viele dachten, das Sommermärchen aus der vergangenen Saison mit Vizemeisterschaft und Vizepokalsieg sei nicht mehr zu steigern.

Auch im europäischen ULEB Cup sorgt der Außenseiter für Furore und bei den Fans für Gefühlswechsel im Wochentakt. Dem viel umjubelten ersten Sieg gegen den in Europa renommierten französischen Erstligisten Elan Béarnais Pau-Orthez (85:74) folgt die höchste Niederlage, die die Dragons seit dem BBL-Aufstieg hinnehmen mussten: In Sofia kommen Adam Chubb und Co. mit 65:109 unter die Räder. Doch schon vier Tage später zeigt das Team, das es an sich und sein Leistungsvermögen glaubt und erobert mit einem 73:69-Sieg gegen den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg die Tabellenspitze. Die Euphorie dämpft der Trainer: „Am Ende der Saison wird abgerechnet. Mir wäre es lieber, im Juni dort oben zu stehen“, sagt Chris Fleming. 

Ungehindert dieser Aussage setzen die Quakenbrücker Basketballer ihre Erfolgsserie in der Bundesliga fort. Die Hinrunde beenden die Spieler um die Kapitäne Darius Hall und Lamont McIntosh mit nur vier Niederlagen auf Platz zwei. Im ULEB Cup geht die Erfolgsgeschichte des Kleinstadt-Klubs weiter: Mit einem 71:69-Zittersieg ziehen die Dragons als letztes von 32 Teams in die nächste Runde des europäischen Wettbewerbs ein. Das nächste Highlight wartet schon: Anfang Februar reisen die „Drachen“ zum Spitzenspiel bei ALBA Berlin. Vor dem Spiel ist klar: Gewinnen die Dragons mit mindestens sieben Punkten Unterschied, holen sie sich den direkten Vergleich und die Tabellenführung zurück. 76:68 heißt das Ergebnis - die Dragons sind wieder Spitze! Drei Tage später lässt die Mannschaft ihre Fans beim Pokal-Derby bei den EWE Baskets Oldenburg wieder zittern. In der Verlängerung setzen sich die Dragons knapp mit 95:93 durch und ziehen ins BBL-Pokal-Viertelfinale ein.

Knapp drei Wochen später nehmen die Quakenbrücker Basketballer die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte hin. Nach einem 80:82 beim russischen Favoriten Triumph Lyubertsy mit einer Galavorstellung von Dragons-Center Adam Chubb (30 Punkte, 8 Rebounds) zieht die Fleming-Truppe ins ULEB-Cup-Achtelfinale ein, weil sie das Hinspiel 81:75 gewann. Diesem Erfolg – die Dragons waren damit das einzige deutsche Team das noch international vertreten war – folgt eine Schwächphase mit vier Niederlage am Stück in der BBL, die die Quakenbrück die Tabellenführung kostet, aber von einem sensationellen Pokal-Triumph unterbrochen wird: Im Viertelfinale fegen McIntosh und Co. Bamberg 98:67 aus der Artland Arena. Es ist das erste Mal seit dem 19. Februar 2005, dass eine Mannschaft gegen die Verteidigungsspezialisten aus Bamberg in 40 Minuten mehr als 90 Punkte erzielt. Damals waren es auch die Dragons, die Bamberg 94 Punkte einschenkten.

Am vorletzten Spieltag der BBL-Hauptrunde haben die Jungs von Fleming noch die Chance, sich in der Tabelle weiter nach vorne zu arbeiten und treten als Tabellendritter bei den einen Sieg vor ihnen liegenden Leverkusenern an, die ihrerseits mit einem Sieg Tabellenführer ALBA vom Thron stoßen könnten. Nach dem Dragons-Sieg im Rheinland tauschen die beiden Kontrahenten die Plätze. Nach dem letzten Spieltag geht das Spitzentrio in der Reihenfolge ALBA Berlin, Artland Dragons, Bayer Giants Leverkusen in die Play-offs.

Dort zeigt sich, wie Recht Fleming mit seiner Aussage im November behalten sollte. Ausgelaugt von einer anstrengenden ULEB-Cup-Saison und nach dem Pokal-Erfolg nicht mehr hungrig genug, haben die Artland Dragons den Telekom Baskets Bonn nur im ersten Play-off-Viertelfinalspiel etwas entgegen zu setzen. Das zweite Spiel im Rheinland verlieren die „Drachen“ nach fulminanter Aufholjagd nur knapp. Im dritten Spiel reichen dem Bonner Aufbauspieler Miah Davis 4,7 Sekunden, um aus einem 76:75 ein 76:77 zu machen. Von dieser enttäuschenden Niederlage erholen sich die Dragons nicht mehr und müssen sich im vierten Spiel deutlich geschlagen geben.

Auch wenn die Saison damit anders endet als erwartet, weil die Dragons als einer der Favoriten in die Play-offs gegangen sind, können die Fans stolz auf die Mannschaft sein, die den ersten Titel der Vereinsgeschichte ins Artland geholt hat. Nach einem Empfang im Quakenbrücker Rathaus bedanken sich Lamont McIntosh, Darius Hall, Adam Chubb und Co. ausführlich von bei ihren Fans und verschenken Trikots, Schuhe und Trainingsklamotten auf dem Marktplatz. Bereit für einen Neuanfang...? 

Saison 2008/2009: Aller (Neu-)Anfang ist schwer

Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Trotz des deutlichen 90:69-Sieges gegen die Deutsche Bank Skyliners ist bei den Artland Dragons niemandem zum Feiern zumute. Denn um doch noch in die Play-offs zu kommen, muss Göttingen in Paderborn gewinnen. 2:06 Minuten bis zur Schlusssirene, Göttingens Robert Kulawick trifft einen Dreier zum 65:65. 13 Sekunden vor Schluss ist das Spiel immer noch ausgeglichen 71:71. Paderborns Lavelle Felton trifft nur einen seiner zwei Freiwürfe und Göttingen bleiben noch 4 Sekunden, um das Spiel zu gewinnen. „Göttingen, Göttingen“-Sprechchöre schallen durch die Artland Arena, gut 2.000 Fans sind nach der Schlusssirene noch in der Halle geblieben, um das wichtige Duell am Live-Ticker zu verfolgen. Doch vergebens. John Little verliert den Ball, Paderborn gewinnt und zieht dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegen die Dragons in die Play-offs ein. 

Für schwache Nerven war der Endspurt der Artland Dragons nichts, ebenso wie die ganze Saison. Schon der Beginn der ersten Spielzeit unter dem neuen Headcoach Thorsten Leibenath stand unter keinem guten Stern: In ALBA Berlin wartete gleich zweimal der Top-Meisterschafts-Favorit auf die Quakenbrücker Basketballer, die sich erwartungsgemäß auch zweimal geschlagen geben mussten. Der klassische Fehlstart mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen (inklusive Champions Cup) wurde durch den „Goldenen Herbst“ wieder wett gemacht. Sieben der nächsten neun BBL-Partien gewannen die „Drachen“ und begeisterten ihr Publikum mit einem 87:78-Sieg über den italienischen Spitzenklub Fortitudo Bologna im EuroCup. Dass dem Prestige-Sieg gegen den Klub der Ex-Drachen Chris Fleming, Arne Woltmann, John Goldsberry, Filiberto Rivera und Michael Jordan, Brose Baskets Bamberg, eine längere Durststrecke folgen würde, ahnte da noch niemand.

Immer deutlicher wurde, dass Aufbauspieler Zack Whiting den Anforderungen von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath nicht gerecht werden konnte. Und auch der nach verpflichtete Will Blalock zeigte nur in wenigen Spielen sein eigentliches Können und musste ebenso wie Whiting noch vor Saisonende die Dragons wieder verlassen. Das Hin- und Her auf der Aufbauposition verunsicherte die Mannschaft. Die Folge war eine schwarze Serie, die im Dezember mit einer 66:75-Niederlage in Braunschweig begann und erst acht Spiele später mit einem 77:55-Sieg bei den Köln 99ers im Februar endete.

In der BBL pfui, in Europa hui – im EuroCup erreichten die Dragons trotz der Misere in der Bundesliga nach einem von sechs Dragons-Fans bejubelten 93:89-Sieg im Hexenkessel von Bologna die Zwischenrunde und zählten damit erneut zu den besten 16 Teams dieses europäischen Wettbewerbs. Dort bekamen die Quakenbrücker allerdings nicht nur vom späteren EuroCup-Sieger Lietuvos Rytas Vilnius um Leibenaths Ex-Spieler Chuck Eidson die Grenzen aufgezeigt. 64:105 kamen die stark dezimierten „Drachen“ in Litauen unter die Räder, hielten zu Hause beim 70:79 aber erstaunlich gut mit.

Zum Ende der Wechselfrist schlugen die Dragons dann noch einmal auf dem Transfermarkt zu und gaben die Verpflichtung von Ronald Ross und Toby Bailey bekannt. Zwölf Spiele blieben der Leibenath-Truppe noch, um sich vom 14. Tabellenplatz auf einen Play-off-Rang vorzuarbeiten. Nach dem umjubelten 71:66-Sieg gegen den Tabellenzweiten MEG Göttingen, folgte eine vermeidbare 69:72-Niederlage bei EnBW Ludwigsburg, nach der kaum noch einer darauf gesetzt hätte, dass die Dragons tatsächlich an die Play-off-Ränge herankommen. Doch Leibenath sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten. Seine Mannschaft spielte sich in einen Siegesrausch, der jäh in Düsseldorf gestoppt wurde. Dennoch blieben die Dragons an Paderborn dran und hatten am letzten Spieltag noch die Chance, die Play-offs zu erreichen, mussten aber auf Göttinger Schützenhilfe hoffen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fasste es treffend zusammen: Das letzte Saisonspiel in der Artland Arena hatte zwei Verlierer. Klar, die Frankfurter, aber auch die Dragons ließen die Köpfe hängen, Tränen flossen. Doch schon auf der Pressekonferenz gab sich Leibenath wieder kämpferisch: „Ich verspreche den Fans, dass wir in der Off-Season extrem hart arbeiten werden, um nächste Saison von Anfang an eine starke Mannschaft zu präsentieren.“ Nach sechs Spielzeiten in Folge – angefangen mit der Aufstiegssaison 2002/2003 –, in denen es immer bergauf ging, wirkt die Erfolgsserie zwar durchbrochen, aber „es ist normal, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft“, sagt Dragons-Geschäftsführer Marko Beens. „Und den Erfolg weiß man noch mehr zu schätzen, wenn man auch einmal Rückschläge weggesteckt hat und spürt, dass er nicht selbstverständlich ist.“

Saison 2009/2010: Nichts für schwache Nerven

Wieder einmal nichts für schwache Nerven ist die Saison 2009/2010 der Artland Dragons gewesen. Als Tabellenneunter ging die Mannschaft von Dragons-Headcoach Thorsten Leibenath punktgleich mit den achtplatzierten Braunschweigern in den 34. Spieltag. Weil die Quakenbrücker „Drachen“ den direkten Vergleich gegen die Ostniedersachsen verloren hatten, mussten sie auf eine Braunschweiger Niederlage in Frankfurt hoffen und selber ihr Duell gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen, um in die Play-offs einzuziehen. Und tatsächlich: Frankfurt tat den Dragons den Gefallen und besiegte die Braunschweiger. Allerdings schaffte es die Leibenath-Truppe nicht, die guten Leistungen der Vorwochen (fünf Siege in sechs Spielen) wieder abzurufen und musste sich dem späteren Play-off-Halbfinalisten geschlagen geben.

Dabei hatte die Saison so gut angefangen: Zwei spannenden und knappen Auftaktsiegen gegen die BG Göttingen und bei den Telekom Baskets Bonn folgten souveräne Erfolge gegen EnBW Ludwigsburg und den Mitteldeutschen BC. Die erste Saisonniederlage gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig sollte der Auftakt einer Auf-und-Ab-Serie mit einigen knappen und unglücklichen Niederlagen sein wie gegen TBB Trier (73:75), den deutschen Meister EWE Baskets Oldenburg (62:66), die Walter Tigers Tübingen (80:83), BG Göttingen (78:79) und den Mitteldeutschen BC (80:81). 

Während in der Beko Basketball Bundesliga von November bis Februar neun Niederlagen nur vier Siege gegenüberstanden, zeigten die „Drachen“ auf europäischem Parkett ein ganz anderes Gesicht. In der EuroChallenge holte die Leibenath-Truppe gegen Tartu Rock (Estland) einen 20-Punkte-Rückstand auf und bog diesen sogar in einen souveränen 94:71-Sieg um. Das andere Gesicht kam bei der 60:66-Heimniederlage in der Beko BBL gegen Braunschweig wieder zum Vorschein, als die Quakenbrücker eine 19-Punkte-Führung hergaben. In der nächsten Beko BBL-Partie bei den Brose Baskets Bamberg sah es dann zur Halbzeit nach einer deutlichen Niederlage für die Dragons aus, doch das Team zeigte Kampfgeist, der allerdings nicht belohnt wurde. Das Spiel ging 80:82 verloren. Ende Februar folgte dann wieder ein Höhepunkt: Gegen die webmoebel Baskets Paderborn errungen die Dragons den höchsten Sieg in ihrer Bundesliga-Geschichte (96:57). Mit zwei Siegen gegen Belgrad (Serbien) und Lüttich (Belgien) wahrten sie auch die Chance auf den Einzug ins EuroChallenge-Viertelfinale.

Dennoch reagierte Leibenath auf die schwankenden Leistungen mit einer Nachverpflichtung. Aufbauspieler Hollis Price (ehemals ALBA Berlin) kam Mitte Februar ins Artland und bestritt beim 83:71-Sieg in Hagen sein Beko BBL-Debüt im Drachen-Dress. Beim Heimspiel gegen Trier rettete der Neuzugang seiner Mannschaft mit einem Dreier ein paar Sekunden vor der Schlusssirene den 76:73-Sieg. Anfang März endeten in Zagreb nach einer knappen 67:69-Niederlage die Europa-Träume der „Drachen“ und auch in der Beko BBL musste die Leibenath-Truppe nach drei Siegen in Folge in Frankfurt eine deutliche 65:77-Niederlage hinnehmen.

Mit starken Auftritten gegen Gießen, den deutschen Meister Oldenburg und bei ALBA Berlin hielten die Quakenbrücker Basketballer die Play-off-Hoffnungen dennoch am Leben. Auch die Fans zeigten bei der „Wake the Dragon“-Aktion, dass sie noch an die Mannschaft glaubten. Nach drei weiteren souveränen Siegen gegen Düsseldorf, Ulm und Tübingen kam es wie schon in der vergangenen Saison zum Showdown am letzten Spieltag. Um die Play-off-Qualifikation zu schaffen, mussten die Dragons in Bremen gegen die Eisbären Bremerhaven gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage von Braunschweig in Frankfurt hoffen. 

In Bremen wirkte die Leibenath-Truppe nicht mehr so frisch wie in den Spielen zuvor. Die aggressive Bremerhavener Verteidigung bereitete dem Team große Schwierigkeiten, so dass die „Drachen“ zur Halbzeitpause mit elf Punkten zurücklagen. Zwar kam die Mannschaft noch einmal auf drei Punkte heran, am Ende fehlte allerdings die Kraft, um das Spiel doch noch zu drehen. So blieb den Dragons wie schon in der Saison zuvor nur der undankbare neunte Tabellenplatz, punktgleich mit dem Achten (Braunschweig).

Saison 2010/2011: Die Dragons sind zurück!

Der Start des Neuanfangs unter Headcoach Stefan Koch ging erst einmal gründlich daneben. Als Favorit reisten die Dragons in der EuroChallenge-Qualifikation zum zypriotischen Vertreter ETHA Nikosia und kassierten eine nicht erwartete 61:69-Niederlage. Zwar zeigten die Quakenbrücker Basketballer bereits ein paar Tage später beim Beko Basketball Bundesliga-Auftakt gegen EnBW Ludwigsburg mit einem 70:55-Kantersieg ihr Potenzial, doch das EuroChallenge-Rückspiel brachte wieder Ernüchterung. Zwar gewannen die Dragons 69:66, waren aufgrund der Hinspielniederlage aber dennoch ausgeschieden. Nach einer Niederlage im Derby gegen die EWE Baskets Oldenburg (65:75) kam die Koch-Truppe aber immer besser in Tritt, kämpfte sich gegen ratiopharm Ulm zum Sieg (85:81) und fegte die Gloria GIANTS Düsseldorf und den BBC Bayreuth aus der Halle.

Niederlagen gegen die deutschen Spitzenteams Brose Baskets aus Bamberg und die DEUTSCHE BANK SKYLINERS aus Frankfurt sowie die Eisbären Bremerhaven machten die Artländer „Drachen“ mit Siegen gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig, die LTi GIESSEN 46ers und TBB Trier wieder wett. Höhepunkt der Hinrunde war der spannende 78:74-Sieg gegen ALBA BERLIN in der O2 World. Zum Jahresende machten die Quakenbrücker mit einem 111:92-Sieg über Phoenix Hagen die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zum Beko BBL TOP FOUR klar. Die Auslosung beim Beko BBL ALLSTAR Day bescherte den Dragons zwar ein Heimspiel, allerdings gegen einen schweren Gegner: ALBA BERLIN. 

Undankbarerweise ersetzten die Berliner kurz vor der Begegnung im Februar ihren Trainer Luka Pavicevic durch Muli Katzurin. Zudem trennten sich die Hauptstädter von Ex-Dragons-Spielmacher Hollis Price und wurden dadurch für Koch und sein Trainerteam noch unberechenbarer. Wie schon im Dezember lieferten sich beide Teams ein packendes Spiel, bei dem wieder die Artländer „Drachen“ knapp die Oberhand behielten (84:80) und sich die vierte Teilnahme an der Pokalendrunde sicherten. 

Im Tagesgeschäft Beko BBL fingen sich die Quakenbrücker nach einer erneut knappen Niederlage gegen die Brose Baskets und einem verlorenen Spiel gegen die DEUTSCHE BANK SKYLINERS wieder und reisten mit einer Siegesserie von fünf Spielen in Folge im Rücken zum Beko BBL TOP FOUR nach Bamberg. Dort stand dem Pokalsieger von 2008 wieder der amtierende deutsche Meister, Beko BBL-Pokal-Titelverteidiger und Ausrichter Brose Baskets, im Weg. Das Halbfinalspiel und dritte Aufeinandertreffen zwischen Flemings Franken und seinen Ex-Drachen war das spannendste: Zum Ende der regulären 40 Minuten hatten die Dragons beim Stand von 85:85 die Chance, die Partie mit dem letzten Angriff für sich zu entscheiden. Doch der Korbleger von Tyrese Rice rollte wieder aus dem Korb heraus; es kam zur Verlängerung. Dort hatten die von Foulproblemen arg gebeutelten Dragons dann nichts mehr entgegenzusetzen und zogen 93:101 den Kürzeren. Am nächsten Tag boten sie den rund 600 mitgereisten Dragons-Fans im Spiel um Platz drei gegen die DEUTSCHE BANK SKYLINERS eine tolle Show und feierten ausgelassen die Bronze-Medaille.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb den „Drachen“ allerdings nicht, denn in der Liga musste eine gute Ausgangsposition für die Beko BBL-Play-offs geschaffen werden. Trotz einer unerwarteten Niederlage beim Mitteldeutschen BC sicherte sich die Koch-Truppe schon drei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde die Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Basketball-Meisterschaft. Nach zwei Spielzeiten ohne Play-offs breitete sich in der Dragons-Fangemeinde schnell Euphorie aus. 

Einen besseren Start als den 90:61-Sieg über die New Yorker Phantoms Braunschweig hätte die Mannschaft von Koch zum Play-off-Viertelfinal-Auftakt wohl nicht hinlegen können. Doch dass in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft Kleinigkeiten zählen, zeigten die kommenden beiden Partien, die die Dragons relativ deutlich abgaben und im vierten Spiel in Braunschweig mit dem Rücken zur Wand standen. Die Hiobsbotschaft vom Ausfall Ali Seggelkes kurz vor dem entscheidenden Spiel ließ die „Drachen“-Gemeinde aufstöhnen, das Team allerdings noch enger zusammenrücken. In einer Nervenschlacht bezwangen die Quakenbrücker den Liga-Konkurrenten knapp 77:75, um im entscheidenden fünften Spiel die Niedersachsen mit Zauberbasketball aus der eigenen Arena zu fegen (99:69) und erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte ins Play-off-Halbfinale einzuziehen.

Es kam wie es kommen musste: Im Halbfinale hieß der Gegner zum vierten Mal in dieser Spielzeit Brose Baskets aus Bamberg. Immer noch ohne Seggelke, für den die Saison nach einem Handbruch beendet war, und dieses Mal auch ohne Kapitän Darren Fenn ließ der haushohe Favorit aus Franken den Dragons beim 73:85 in der Bamberger Stechert-Arena keine Chance. Zwar war Fenn zum zweiten Play-off-Halbfinalspiel in der Artland Arena wieder fit, allerdings war es dieses Mal Johannes Strasser, der sich zu Seggelke ins Lazarett gesellte. Umso höher war die Leistung der dezimierten „Drachen“ einzuordnen, die den Titelverteidiger 86:72 bezwangen und damit erst das dritte Beko BBL-Team waren, das den Meister in dieser Saison besiegte.

Nach einer weiteren deutlichen Niederlage in der „Frankenhölle“ ging es im vierten Spiel wieder um alles oder nichts. Mit einer unglaublichen Energieleistung schafften es die Dragons, die Mannschaft ihres Ex-Trainers Chris Fleming angeführt von einem überragenden Tyrese Rice in ein entscheidendes fünftes Spiel zu zwingen. In diesem wurde nur allzu deutlich, dass die bisherigen Spiele mit dezimiertem Kader einfach zu viel Kraft gekostet hatten. Zusätzlich zu Seggelke und Strasser mussten die Dragons nun auch noch auf Nathan Peavy verzichten – ein Schlag zuviel für die aufopferungsvoll kämpfenden Quakenbrücker, die 55:83 untergingen.

Dennoch durften die Artländer stolz auf die achte Spielzeit in der Beko Basketball Bundesliga sein, in der sie mehr erreicht haben, als viele nach zwei sportliche weniger erfolgreichen Jahren erwartet hatten. Gemeinsam mit ihren Fans genossen die Dragons den Saisonabschluss beim Quakenbrücker Italiener Da Seba und ließen die Spielzeit zufrieden ausklingen.

Saison 2011/2012: Dragons mischen BBL-Schwergewichte auf

Alles andere als verheißungsvoll begann die Spielzeit 2011/12 für Headcoach Stefan Koch und seine Dragons. Den guten Rhythmus aus der Vorbereitung brachen die beiden Eurocup-Qualifikationsspiele gegen einen übermächtigen Gegner aus Gran Canaria. Niederlagen in Ulm und Gießen standen ein souveräner Sieg gegen Trier und ein Krimi-Sieg gegen Tübingen (Darren Fenn rettete sein Team durch einen Dreier in letzter Sekunde in die Verlängerung) gegenüber. Erst danach kamen die Quakenbrücker langsam besser in Tritt. Eine vermeidbare Heimniederlage gegen Bremerhaven wurde mit einem Kunstwurf von David Holston in Braunschweig und dem damit verbundenen knappen 72:71-Sieg wieder ausgebügelt. Höhepunkt der Hinrunde war der 86:83-Verlängerungskrimi gegen Bayern München. Endgültig zum Publikumsliebling wurde Holston durch seine unvergesslichen Dreier, die ein schon verloren geglaubtes Spiel noch in einen Sieg umwandelten.

Nach dem Motto „Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss“ stellten die Dragons in Frankfurt einen Negativrekord auf: Noch nie zuvor in der Geschichte der Beko Basketball Bundesliga hatte ein Team ein Partie mit nur 49 erzielten Punkten gewonnen. Zudem gab es noch nie weniger Punkte zur Halbzeit (21:19). Dass die Koch-Truppe auch anders konnte, zeigte sie im Heimspiel darauf gegen Phoenix Hagen: Mit 109:59 wurden die Westfalen abgefertigt, die 34 Dragons-Assists sind Bestwert in den Beko BBL. Zwar beendeten die Dragons die Hinrunde mit einer Niederlage in Bonn, qualifizierten sich aber dennoch für die Qualifikationsrunde zum Beko BBL TOP FOUR. „Glücksfee“ Pascal Roller meinte es allerdings nicht gut mit dem Pokalsieger von 2008 und loste ihm ein Auswärtsspiel bei den Brose Baskets zu. Der spätere Pokalsieger musste die Partie zwar in Bayreuth austragen, weil die heimische Stechert-Arena nicht zur Verfügung stand, ließ den Dragons aber keine Chance.

Dafür sorgte die Koch-Truppe wieder einmal in Europa für Furore. In der EuroChallenge überstand sie die beiden Gruppenphasen souverän mit nur zwei Niederlagen und zog zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs ein. Im ersten Spiel der „Best of three“-Serie in der heimischen Artland Arena hatten die Dragons die Millionen-Star-Truppe von Besiktas Istanbul am Rand einer Niederlage, mussten sich am Ende aber knapp 73:74 geschlagen geben. In Istanbul waren die von vielen Pflichtspielen und Verletzungen gebeutelten Dragons dann ohne Chance und musste auch hier wie schon im Beko BBL-Pokal dem späteren Wettbewerbs-Sieger den Vortritt lassen.

Die Doppelbelastung machte sich nun bemerkbar, bei hohen Niederlagen gegen Berlin, München, Ulm und Bamberg ging den „Drachen“ die Puste aus, sodass sie den Kampf um die Spitzenposition in der Beko BBL aufgeben mussten. Dank eines starken Schlussspurts mit vier Siegen in Folge sicherten sich die Norddeutschen aber Rang vier und damit das Heimrecht in der ersten Play-off-Runde gegen Bayern München.

Ausgerechnet das Team, das den Dragons die höchste Saison-Niederlage zugefügt hatte (70:97), musste nun aus dem Weg geräumt werden. Leichter gesagt als getan. Unter den Augen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der zum ersten Mal in dieser Spielzeit zu einem Auswärtsspiel reiste, liefen die Spieler von Münchens Trainer Dirk Bauermann zu Höchstform auf und besiegten nicht bereite Dragons locker 82:68. Für viele Fans war die Serie damit schon gelaufen, denn die Bayern hatten in dieser Saison erst ein Heimspiel verloren und das Heimrecht nun auf ihre Seite. Doch sie hatten die Rechnung ohne die feurigen „Drachen“ gemacht. Im Münchener Audi-Dome zeigte die Koch-Truppe ihren ganzen Kampfgeist und trieb Bauermann in der Halbzeitpause bei einem 20-Punkte-Rückstand seiner Mannschaft dazu, dem Hallensprecher sein Mikro zu entreißen und die Zuschauer persönlich anzuheizen. Die Partie endete zwar mit einem Sieg der Dragons, doch unschön, weil sowohl Holston als auch Nathan Peavy nach einer Rudelbildung disqualifiziert wurden. Die Bayern-Spieler, allen voran Nationalspieler Steffen Hamann, kamen jedoch ungeschoren davon.

Die Dragons-Fans waren nicht gewillt, diesen „Bayern-Bonus“ kampflos hinzunehmen und verwandelten die Artland Arena bei Spiel drei in eine wahre „Drachenhöhle“. Ihre Antipathie richtete sich vor allem gegen Hamann, der nicht zum ersten Mal in seiner Karriere einen Dragons-Spieler provoziert hatte, sodass dieser bestraft wurde, Hamann aber nicht. Sichtlich beeindruckt von der „hervorragenden Stimmung“ (O-Ton Bauermann) gelang den Gästen aus Süddeutschland nicht viel. Von ihren Fans getragen entschieden die Quakenbrücker die Partie auch ohne ihren gesperrten Spielmacher und Topscorer Holston für sich und fuhren mit einem Matchball im Gepäck nach München. Die Bayern gaben sich aber noch lange nicht geschlagen, schafften vor heimischen Publikum den Ausgleich, sodass Spiel fünf in Quakenbrück die Entscheidung bringen musste. Die erhitzten Gemüter waren etwas abgekühlt, nun stand endlich wieder der Basketball anstatt Psycho-Spielen und Medien-Terror im Vordergrund. In einem spannenden Spiel siegten die Koch-Spieler am Ende verdient und zogen ins Halbfinale der Beko BBL-Play-offs ein.

Und wieder standen ihnen die Brose Baskets im Weg. Nach der emotionalen, Nerven aufreibenden Viertelfinalserie hatten die „Drachen“ dem Meister und Pokalsieger nichts mehr entgegenzusetzen und verloren sang- und klanglos 0:3 – wieder gegen den späteren Champion des Wettbewerbs. Nachdem die erste Enttäuschung über das am Ende deutliche Aus verfolgen war, zog Koch eine positive Bilanz: „Wir sind neben Bamberg das einzige Team, das es in den vergangenen beiden Jahren unter die ersten Vier in der Liga geschafft hat. Das ist für uns bei unseren finanziellen Möglichkeiten ein beachtlicher Erfolg.“ Weil auch Geschäftsführer Alexander Meilwes, der die professionelle Arbeit seines Vorgängers Marko Beens ohne Anpassungsprobleme fortführte, die Resultate zufrieden stellten, dauerte es nicht lange, bis die auslaufenden Verträge mit Koch und seinen beiden Assistenten Tyron McCoy und Martin Schiller verlängert waren und mit den Aufgaben für die zehnte Dragons-Saison im Basketball-Oberhaus begonnen wurde.

Saison 2012/2013: Berg- und Talfahrt zum Jubiläum

Ein Spiegelbild der gesamten Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL) war die Jubiläumssaison der Artland Dragons. In ihrem zehnten Beko BBL-Jahr befand sich das Team von Dragons-Headcoach Stefan Koch auf einer Berg- und Talfahrt und war unberechenbar, was aber auf mehr als die Hälfte aller Basketball-Teams im Oberhaus ebenso zutraf. Zu den Bergen gehörten ohne Frage die zwei Siege gegen den deutschen Meister Brose Baskets aus Bamberg, Erfolge über die Top-Teams ALBA BERLIN und den FC Bayern München, sowie das packende Pokal-Derby gegen die EWE Baskets Oldenburg, das mit einem Sieg und dem fünften Einzug der „Drachen“ ins Beko BBL TOP FOUR endete. Die Täler waren gleich die ersten beiden Saisonspiele mit einer hohen Niederlage gegen ALBA BERLIN und einem knappen Misserfolg gegen Frankfurt. Auch beim Beko BBL TOP FOUR präsentiere sich die Koch-Truppe nicht in Höchstform, ebenso wenig wie im Play-off-Viertelfinale gegen ratiopharm ulm. Da die Saison mit diesen drei Niederlagen zu Ende ging, blieb bei vielen Fans ein negativer Nachgeschmack, obwohl die Quakenbrücker Basketballer die Saison als Tabellensechster abschlossen und nur den fünf deutlich finanzstärkeren Teams aus Bamberg, Oldenburg, Ulm, München und Berlin den Vortritt lassen mussten.

Für Dragons-Headcoach Stefan Koch begann schon die Saisonvorbereitung mit zwei unerwarteten Hürden. Demond Mallet, der das Herzstück der Dragons bilden sollte, zog sich noch vor dem ersten Teamtraining im August einen Abriss des Brustmuskels zu und verpasste so nicht nur die gesamte Vorbereitung, sondern auch die ersten sechs Wochen der Beko BBL-Spielzeit. Power Forward Lamayn Wilson schaffte es nicht einmal bis zum ersten Training, weil er den medizinischen Test nicht bestand. So musste Koch schon bevor die Saisonvorbereitung angefangen hatte zwei wichtige Positionen neu besetzen. Während in Kristaps Valters schnell Ersatz für den verletzten Mallet gefunden wurde, gestaltete sich die Suche nach einem passenden Power Forward deutlich schwieriger. Andrew Drevo, Dennis Horner und Ryan Gomes kamen und gingen, die endgültige Lösung war Brad Buckman, kein Schönspieler, sondern ein Kämpfer.

Zwar war Mallet Mitte November wieder fit und ließ seine Klasse mehr als einmal aufblitzen, erreichte aber durch die lange Verletzungspause und die verpasste Saisonvorbereitung nie ein konstant hohes Niveau. So reagierte Koch kurz vor Ende der Wechselfrist Ende Februar noch einmal und stellte dem Team in Branislav Ratkovica einen klassischen Aufbauspieler zur Seite. Durch die vielen Wechsel gelang es der Koch-Truppe aber in der ausgeglichensten Liga aller Zeiten nie, die nötige Konstanz zu entwickeln. Ausgerechnet beim Beko BBL TOP FOUR in Berlin, zu dem die Dragons von mehr als 1000 Anhängern begleitet wurden, erwischten die „Drachen“ zwei schlechte Tage und verloren sowohl das Halbfinale gegen ratiopharm ulm (77:86), als auch das Spiel um Platz drei gegen den FC Bayern München (76:88).

Eine Woche später waren die Dragons dann im Liga-Alltag wieder auf einem Höhepunkt angekommen, als sie die Bayern in einem spannenden Spiel 70:66 bezwangen und so einen wichtigen Schritt in Richtung Beko BBL Play-offs machten. Zweieinhalb Woche später schafften Mallet und Co. sogar die nächste Sensation und gewannen zum zweiten Mal in dieser Spielzeit gegen den deutschen Meister Bamberg (74:73), dieses Mal in der Frankenhölle Stechert-Arena. Die endgültige Teilnahme an der Meisterrunde machten die Norddeutschen am vorletzten Spieltag durch einen 93:83-Sieg bei Phoenix Hagen perfekt und schlossen die Hauptrunde mit einem 78:71-Sieg gegen TBB Trier ab.

Ausgerechnet die von Ex-Dragons-Coach Thorsten Leibenath trainierten Ulmer stellten sich in den Beko BBL Play-offs den Quakenbrückern in den Weg. Seit Leibenath die Schwaben 2011 übernahm, gelang den Dragons kein Sieg mehr gegen Ulm. Und so blieb es auch in diesem Viertelfinale. Das Auftaktspiel in Ulm ging relativ deutlich an die Gastgeber (68:83), das Heimspiel in der Artland Arena verlor die Koch-Truppe knapp und hatte im dritten Aufeinandertreffen der Best-of-Five-Serie nichts mehr entgegen zu setzen.

Eurocup-Teilnehmer, Beko BBL TOP FOUR zum fünften Mal erreicht, die Beko Basketball Bundesliga-Saison auf Platz sechs abgeschlossen – auch wenn die zehnte Erstliga-Spielzeit der „Drachen“ nicht die erfolgreichste war, so kann sich die Bilanz durchaus sehen lassen. Dragons-Geschäftsführer Alexander Meilwes bringt es auf den Punkt: „Viele sprechen von einer holprigen Saison. Das zeigt mir, dass wir in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben, denn nur so kommen diese hohen Ansprüche zustande.“

Bei der Saisonabschlussfeier zusammen mit den Dragons-Fans wurde ein emotional sichtlich mitgenommener Stefan Koch, der nach drei Jahren als Dragons-Trainer das neue Vertragsangebot der Quakenbrücker aus familiären Gründen ablehnte, verabschiedet und sein Nachfolger – Tyron McCoy – vorgestellt. Unter neuen wirtschaftlichen Bedingungen wird die kommenden Saison für ihn und die Dragons eine große Herausforderung. Das Drachen-Feuer lodert weiter!

Saison 2013/2014: Dragons beenden sensationell Bamberger Titelserie

Mit niedrigerem Etat und Headcoach-Neuling Tyron McCoy sind die Artland Dragons in ihre elfte Saison in der Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL) gestartet. Dementsprechend war Dragons-Geschäftsführer Alexander Meilwes bemüht, die Erwartungen der Fans zu dämpfen. Doch wie sich die Saison 2013/14 dann entwickelte, hätte sich kein „Drache“ erträumt.

Zum Saisonauftakt fegte die McCoy-Truppe die WALTER Tigers Tübingen 78:60 vom Parkett. Es folgte ein nervenaufreibender Krimi gegen ALBA BERLIN, den die „Drachen“ nach Sechs-Punkte-Rückstand in zwei Minuten drehten und 67:66 für sich entschieden. Kurze Ernüchterung gab es nach der deutlichen 64:86-Niederlage im Derby bei den schon eingespielten, weil kaum veränderten EWE Baskets Oldenburg. Doch dann starteten Anthony King und Co. eine Siegesserie, die erst die FRAPORT SKYLINERS Mitte November beendeten.

Im Eurocup bereiteten Verletzungen dem Trainerteam Sorgen. Temporäre Ausfälle auf den großen Positionen konnte die Mannschaft gegen die starke europäische Konkurrenz nicht kompensieren und schloss die Gruppenphase mit nur zwei Siegen auf dem fünften Platz ab.

Zum Jahreswechsel rutschten die Dragons in ein kleines Tief und verloren gegen Phoenix Hagen sowie gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg. Ein kleine Abwechselung bot da der Beko BBL ALLSTAR Day, bei dem die Fans Tyron McCoy zum Headcoach der internationalen Auswahl bestimmten. Dieser hatte dann nicht nur seinen Trainerstab, sondern auch Anthony King und Brandon Thomas im Schlepptau.

Ende Februar blitzte bei den Quakenbrückern dann ein von vielen nicht für möglich gehaltenes Potential auf. Erst fügten die Artländer dem späteren Meister FC Bayern München die erste Beko BBL-Heimniederlage der Saison zu, dann revanchierten sie sich für die hohe Niederlage in Oldenburg zu Saisonbeginn und holten sogar noch den direkten Vergleich (95:69).

Doch gerade dann machten McCoy wieder Verletzungen einen Strich durch die Rechnung. Die dezimierten Dragons beendeten die Hauptrunde mit vier Siegen und sechs Niederlagen und rutschten auf den siebten Tabellenplatz ab. Der Gegner im Playoff-Halbfinale: die Brose Baskets aus Bamberg. Gegen kein Team haben die Dragons in ihre Erstliga-Geschichte häufiger gespielt, als gegen die Franken. Dreimal standen die Mannschaften sich in den Playoffs gegenüber (Finale 2007, Halbfinale 2011 und 2012), dreimal hieß der Sieger Bamberg. Entsprechend niedrig war die Erwartungshaltung bei vielen Fans, die aber positiv überrascht wurden.

Denn in diesem ganz besonderen Jahr gelang den Dragons die Sensation. Sie schalteten den Titelverteidiger und viermaligen Serienchampion im Viertelfinale in vier Partien aus und beendeten damit die Trophäen-Serie der Franken. Und auch im ersten Halbfinalspiel gegen ALBA BERLIN präsentierten sich die Dragons in toller Form, bis ein kleiner Aussetzer in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit die Siegesträume beendete. Zwar glichen die Quakenbrücker die Serie noch einmal aus, mussten sich dem Pokalsieger am Ende aber 1:3 geschlagen geben.

Die Dragons-Fans sorgten nach dem Playoff-Aus für wahre Gänsehaut-Atmosphäre. Als das Team schon in den Katakomben verschwunden war, blieb die Mehrheit der 3.000 Anhänger auf den Tribünen der Artland Arena und feierte die Mannschaft mit rhythmischem Klatschen und „Dragons, Dragons“-Rufen. Die niedergeschlagenen Spieler um ihre beiden Kapitäne Anthony King und Guido Grünheid kamen noch einmal aus der Kabine und holten sich Trost bei ihren Fans, die das Team noch minutenlang feierten.

Ein paar Tage später war bei der Saisonabschlussfeier die Enttäuschung bei den Spielern verflogen, die bei Sonnenschein und Freibier von Dragons-Partner Herforder den Abend mit den Fans genossen. Zudem hatte Meilwes eine gute Nachricht im Gepäck: Erfolgstrainer McCoy bleibt den Quakenbrückern auch in der nächsten Spielzeit erhalten. Die Saison 2014/15 kann gar nicht schnell genug kommen!

Saison 2014/2015: Das Ende einer Ära

Als die Artland Dragons am 30. April das Beko BBL-Spiel der Saison 2014/15 gegen die Crailsheim Merlins verloren hatten (99:101), ahnten die Wenigsten, dass dies das vorerst letzte Erstliga-Spiel der Quakenbrücker gewesen sein sollte. Denn nur drei Tage später verkündete der Klub, dass er sich aus der Beko BBL und dem Profi-Basketball zurückziehen würde. Für die Fans ein Schock, auch wenn die zwölfte Erstliga-Spielzeit der „Drachen“ alles andere als positiv verlief.

Zwar hatten McCoy und Meilwes vor der Saison immer wieder betont, dass es in der ausgeglichenen Beko BBL für die Dragons kein Selbstläufer ist, die Beko BBL-Playoffs zu erreichen, so waren die Erwartungen der Fangemeinde wie immer hoch. Zum ersten Mal in der Geschichte der Dragons hielten sie alle ihre Starting-Five-Spieler, die in der Vorsaison das Meisterschafts-Halbfinale erreicht hatten, so dass die Hoffnung auf eine erfolgreiche Spielzeit durchaus berechtigt war. Und der Saisonstart mit vier Siegen in Folge, darunter ein 92:85-Erfolg über den späteren Pokalsieger und Derby-Rivalen EWE Baskets Oldenburg, war vielversprechend.

Im Eurocup hielten die „Drachen“ gegen hochklassige Gegner gut mit, verloren ihre Spiele allerdings dennoch knapp. Diese knappen Niederlagen und vergebenen Chancen nagten am Selbstbewusstsein der McCoy-Truppe. Spätestens im Dezember waren die Dragons in einem Loch angekommen. Ende November gewannen die Quakenbrücker nach Verlängerung gegen die Eisbären Bremerhaven 103:94, der nächste Sieg folgte erst am 17. Januar gegen TBB Trier (81:69). Die Eurocup-Saison war zu diesem Zeitpunkt nach nur einem Sieg aus zehn Spielen schon beendet.

Nun machten den Dragons auch Verletzungssorgen zu schaffen. Kapitän Anthony King zog sich im Januar eine Wadenverletzung zu, die den Center bis zum 21. März außer Gefecht setzte. Anfang März zog sich David Holston eine Bauchmuskelverletzung zu, die für den Zauberzwerg das Saisonende bedeutete. In diesen Zeit wurde deutlich, wie abhängig die „Drachen“ von ihren beiden langjährigen Leistungsträgern waren. Die Stabilität und Sicherheit, die die beiden US-Amerikaner ausstrahlten, fehlte der Mannschaft.

Dennoch hatten die Dragons vier Spieltage vor Saisonende immer noch die Beko BBL-Playoffs vor Augen. Im entscheidenden Duell gegen die BG Göttingen versagten der Mannschaft aber die Nerven. Sie schafften es nicht, den direkten Konkurrenten zu bezwingen und verpassten zum vierten Mal in ihrer Bundesliga-Geschichte die Meisterschaftsrunde. Schlimmer als die enttäuschende Saison war für den Fans aber die Nachricht vom kompletten Rückzug der Dragons aus dem Profi-Basketball.

Diesen wollten die Dragons-Anhänger jedoch nicht hinnehmen und starteten spontane emotionale Kundgebungen und Proteste, so dass der bisherige alleinige Gesellschafter der Artland Dragons Sport-Marketing GmbH schließlich zustimmte, ein ProB-Team unter dem Namen Artland Dragons an den Start gehen zu lassen. In der 2. Basketball-Bundesliga gibt es nun mit neuer Gesellschaft (Artland Dragons Basketball GmbH) einen Neustart der „Drachen“. Das Feuer lodert weiter.

Saison 2015/2016: Neustart in der ProB

Rund 200 Dragons-Fans bei einem Playoff-Spiel in Frankfurt. 2694 Zuschauer pro Heimspiel. Gellende Pfeifkonzerte nach Niederlagen gegen den Tabellenletzten. Euphorische Jubelfontänen nach einem Kantersieg gegen den Tabellenführer.

Wer das Geschehen auf dem Basketballfeld komplett ausschaltet, könnte meinen, die Artland Dragons hätten in der Saison 2015/2016 mit einem leichten Rückgang der Zuschauerzahlen nahtlos weiterhin in der Beko Basketball-Bundesliga gespielt. Das Faninteresse war hoch und polarisierend wie eh und je, die Leidenschaft für den Verein lebte bei einigen Anhängern nach dem Bundesliga-Aus im Mai 2015 nochmal ein Stück stärker auf. Am Ende der Spielzeit fiel das Fazit unter den Fans gemischt, wenngleich selten euphorisch aus.

Auf alle Fälle konnte das erste Jahr der Artland Dragons in der drittklassigen 2. Basketball-Bundesliga ProB wohl als ‚Ankommjahr‘ tituliert werden. Nach 22 Hauptrundenspielen fanden sich die Drachen auf dem siebten Tabellenrang in einer zwölf Mannschaften umfassenden Nordstaffel wieder. Unter dem Strich durften sie sich damit Playoff-Team nennen und überhaupt wurde der Klassenerhalt frühzeitig unter Dach und Fach gebracht. Gegen die hoch favorisierten FRAPORT SKYLINRS Juniors setzte es in den Playoffs nach einem spektakulären ersten Spiel in Frankfurt und einem blutleeren zweiten Auftritt daheim das nach der Hauptrunde voraussehbare Erstrundenaus. Das Resultat war schlichtes Mittelmaß – das Resultat von noch weniger als mittelmäßigen Voraussetzungen.

Am 13. Juli 2015 wurden Marius Kröger als neuer Geschäftsführer und Dragan Dojcin als neuer Headcoach der runderneuerten Organisation vorgestellt, die erst Ende Mai die Lizenz für die ProB erhielt. Auf die Schnelle wurden eine Reihe von vereinslosen Profis und talentierten Jugendspielern zusammengetrommelt, um Ende September in ein neues Abenteuer zu starten. Der einzige Spieler, der bereits über jahrelange Erfahrung in der ProA verfügte oder als wichtiger Eckpfeiler in der ProB agierte, war Benjamin Fumey – mit Abstrichen David Watson. Alle anderen Akteure stießen als Fragezeichen oder mit dem Prädikat NBBL-Spieler zur Mannschaft. Zum Vergleich: Ein Jahr später – sprich: vor der neuen Saison – vermeldeten die Drachen am 8. Juli mit Philipp Lieser ihre vorerst letzte Verpflichtung. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr hatte der Verein weder Geschäftsführer noch Trainer. Von Spielern, die in der vergangenen Spielzeit im Artland anheuerten, hatten bis Anfang September nur Isaiah Hartenstein (Kaunas/Litauen) und Jacob Mampuya (Nördlingen/ProB) ein Team gefunden, das mindestens auf ProB-Niveau anzusiedeln ist.

Der Start in die Saison 2015/2016 gestaltete sich also mit einer Rumpftruppe vergleichsweise fulminant. Nach fünf Siegen aus den ersten fünf Partien standen die restaurierten Burgmannsstädter ungeschlagen auf dem ersten Tabellenplatz. Die Euphorie und die Hoffnungen auf eine Cinderella-Story im ersten ProB-Jahr waren groß und wurden umso schneller gedämpft. Auf die fünf Auftakterfolge folgten vier Niederlagen, die am Ende auch das Tabellenbild widerspiegelten: Die ersten fünf Siege fuhren die Drachen allesamt gegen Mannschaften ein, die nach 22 Spieltagen hinter der Mannschaft von Trainer Dragan Dojcin platziert waren. Die vier Niederlagen fing sie sich gegen Teams ein, die tabellarisch vor den Artländern abschlossen. Ab dem neunten Spieltag befanden sich die Drachen dementsprechend in einem unmittelbaren Kampf um den achten und letzten für die Playoffs qualifizierenden Tabellenrang. Federn ließen die Artländer im Playoff-Rennen Anfang des Kalenderjahres 2016 nach dem Abgang vom oftmals auftrumpfenden Talent Isaiah Hartenstein, der von Zalgiris Kaunas nach Quakenbrück ausgeliehen war und im Januar vorzeitig den Verein verließ.
Wenngleich letztlich wenig glanzvoll, verbuchten die Dragons dennoch vier Spieltage vor Hauptrundenende bereits erfolgreich den Playoff-Einzug. Die Saison endete mit fünf Niederlagen aus den letzten sechs Pflichtspielen. Negativ im Gedächtnis verharren die Heimniederlagen gegen die Kellerkinder aus Wedel und Stahnsdorf. Als sehr positive Momente bleiben der 82:61-Heimerfolg über Tabellenführer Iserlohn im Dezember 2015 sowie die hauchdünne 80:75-‚Heimniederlage‘ – angesichts von 200 lautstarken Dragons-Fans unter den 400 Zuschauern in Frankfurt – nach Verlängerung bei hochkarätig besetzten Skyliners, die letztlich bis ins Playoff-Finale vordrangen.

Im Hinblick auf die neue Spielzeit motivierte die Vorstellung davon, dass die Drachen mit einem deutlich schlagkräftigeren und durchweg professionell aufgestellten Kader nochmal in den Genuss kommen, in einem derart wichtigen Spiel eine so bedingungslose Rückendeckung der Anhänger zu erhalten. Dafür spricht, dass schon wieder markant über 1.600 Dauerkarten ausgehändigt wurden.

Klar ist: Das ausgerufene Saisonziel „Aufstieg“ kann nur erreicht werden, wenn das Saisonmotto auf und abseits des Parketts Programm ist: „Gemeinsam. Hier. Jetzt.“

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