04.03.2018
"Ein schlagkräftiges Team"

Am Samstag, den 10. März 2018, beginnen die Playoffs der 2. Basketball-Bundesliga ProB. Die Artland Dragons haben sich mit dem Heimsieg am letzten Spieltag den ersten Tabellenplatz geschnappt und sich dadurch für die Endrunde eine optimale Ausgangsposition erarbeitet.

Point Guard Pierre Bland (#23) bespricht während einer Unterbrechung in der Partie gegen Bochum die Spielsituation. Fotos: Christian Wüst

Maßgeblich am Lauf von zuletzt sieben Siegen in Folge war der Pierre Bland, der im Schnitt 35:16 Minuten lang auf dem Parkett die Strippen zieht. Mit seinen Passqualitäten (7,2 Assists je Partie) setzt der mannschaftsdienlich spielende Guard seine Kollegen immer wieder gut in Szene und belegt in dieser Statistiksparte mit Abstand Platz eins der gesamten ProB. Im Trainingscenter der Drachen traf sich Christian Wüst zum Gespräch mit dem 25-jährigen US-Amerikaner.

 

CW: Pierre, Glückwunsch zur Tabellenführung. Ist es ein Déja-Vu für Dich?

PB: Man könnte es so sagen. Letztes Jahr habe ich mit Bernau die Hauptrunde auch als erster abgeschlossen. Es ist immer schön, wenn die Leistung das Team bis zur Tabellenspitze führt und man sich in eine sehr gute Ausgangsposition für die Playoffs gebracht hat.

CW: Du bist von der Erkältungswelle verschont geblieben. Hast Du ein Geheimrezept gegen Erkältungen?

PB: Nein, das habe ich nicht. Zum Glück habe ich mir den Bazillus nicht eingefangen. Ich packe mich immer gut ein, wenn ich draußen bin und trinke manchmal Ingwertee. Auch halte ich Abstand von den erkrankten Leuten, dann gibt’s kein High Five mit der Hand, sondern nur die Faust zum Abklatschen.

 

CW: Ihr seid bislang mit wenig Verletzungen durch die Saison gekommen.

 

PB: Ja, es ist ein Segen, dass wir wenig mit Verletzungen zu tun hatten. Manchmal kann man Verletzungen nicht kontrollieren und sie passieren einfach. Aber die Grundlage liegt darin, gut auf seinen Körper zu achten. Coach Flo legt zum Beispiel viel Wert auf das Stretching, das wir jeweils vor und nach dem Training machen.

CW: Ich habe vorhin den Trainingsabschluss gesehen. Es sah aus wie in einem Yogakurs.

PB: Wir machen sehr spezielle Dehnübungen. Dadurch kann der Körper besser mit kritischen Situationen umgehen.

CW: Wie siehtst Du die physiotherapeutische Begleitung der Artland Dragons?

PB: Diese Arbeit finde ich sehr gut. Egal was Du als Spieler brauchst, Tom (Physiotherapeut Tom Mögel, Anm. d. Red.) ist immer zur Stelle. Sind die Beine schwer, oder zwickt es im Rücken, findet er heraus, woran es liegt, legt mit Händen und Ellbogen los und erklärt auch, was man machen kann, um zukünftig Beschwerden zu vermeiden. Zwei Mal in der Woche mache ich auch individuelle Dehnungsübungen mit ihm. Tom ist ein wirklich guter Kerl.

CW: Wie erlebst Du die Trainingsarbeit von Flo und Christian?

PB: Ich mag die Trainingsarbeit der beiden. Im Laufe der Saison haben sie herausgefunden, wie wir am besten trainieren. Anfangs waren wir gut in der Spur. Als wir in die Saisonphase kamen, in der sich Siege und Niederlage abgewechselt haben, haben sie das Training modifiziert. Beispielsweise haben wir abends etwas kürzer trainiert und mehr auf Erholung geachtet. Unser Run von sieben Siegen hintereinander zeigt nicht nur, dass wir wieder einen guten Spielrhythmus gefunden haben, sondern auch, dass wir den richtigen Trainingsrhythmus gefunden haben. Am Spieltag geht es darum, das Optimum an Kraft aufs Parkett zu bringen.

CW: Du bist ein Point Guard, dem das Teamspiel wichtiger ist als mit Hero Ball im Alleingang Spiele zu entscheiden, oder?

PB: Hero Ball zu spielen ist nicht meine Auffassung von Basketball. Ich meine, wenn mein Team mich sucht, um Punkte zu machen, dann mache ich es und nehme auch fünf Würfe hintereinander.  Ich bin immer angriffslustig, aber wir haben viele Scorer im Team. Ziehe ich in die Zone, müssen die großen Gegenspieler helfen. Daraus ergeben sich mehrere Optionen. Ist der Weg zum Korb frei, lege ich den Ball rein. Andererseits kann ich den Ball in der Zone zum Beispiel auf Leon durchstecken oder nach außen passen, wenn AJ oder Max frei sind. In unserem Team brauchen wir keinen Hero Ball.

CW: Alle Spieler waren am Anfang der Saison von der guten Teamchemie begeistert. Hat sie sich im Laufe der Spielzeit bestätigt?

PB: Ja, die Teamchemie hat sich bestätigt. Wir sind früh zusammen gekommen, aber vor allem bezogen auf die Charaktere der Jungs hat es geklickt. Keiner ist eigennützig, jeder hat viel Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ist fokussiert zu gewinnen und nicht darauf, für die Statistiken zu spielen. Mal ist Max Topscorer, dann AJ, oder Leon oder auch ich. Das macht es unseren Gegnern schwer, weil sie sich nicht nur auf einen Spieler konzentrieren dürfen. In meinen Augen hat sich unsere Teamchemie in der Siegesserie gegen Ende der Hauptrunde gezeigt. Es waren ja sehr knappe Spiele dabei, die wir auch wegen unserer Mentalität gewonnen haben.

CW: Ziel in jeder Saison ist es, ein schlagkräftiges Team aufzubauen. Wie siehst du euch?

PB: Wir sind definitiv ein schlagkräftiges Team. Eine Zeit lang war es so, dass die Trainer sagten, wir wären im Training teilweise härter als im Spiel selbst. Als wir gelernt hatten, das zusammenzusetzen und ins Spiel zu bringen, sind wir weitaus gefährlicher geworden. Ich mag diese Wettkampfbereitschaft im Team. Man braucht das, um sich gegenseitig zu pushen. Die Trainer lassen uns in immer anderen Konstellationen gegeneinander spielen und fördern diesen Wettbewerb. Das macht uns als Team besser.

CW: Wie siehst Du eure Defense?

PB: In der Defense müssen wir noch etwas besser miteinander kommunizieren. Es gibt Phasen, da spielen wir eine unglaubliche Defense. Diese Intensität dürfen wir nicht nur 35 Minuten sondern müssen sie über 40 Minuten zeigen, egal wer auf dem Parkett steht, egal, ob wir mit zehn Punkten führen oder mit fünf hinten liegen. In fünf Minuten hat der Gegner in der Regel einen Lauf und das Spiel wird eng. Spielen wir unsere Defense, bringt es uns in eine gute Position, das Spiel zu gewinnen.

CW: Die Heimpleite Anfang Januar gegen Wolfenbüttel war die letzte Niederlage. War es ein Wendepunkt in der Entwicklung des Teams?

PB: Ich würde diese Niederlage nicht unbedingt als Wendepunkt bezeichnen. In dieser Phase der Saison wurde mir aber klar, dass ich etwas zu passiv war, manchmal auch zu uneigennützig. Ich habe mit Coach Flo darüber gesprochen und mir war klar, es kann nicht schaden, aggressiver spielen. Dieser Zeitpunkt war so etwas wie mein persönlicher Wendepunkt. Unser Spiel kam dann in einen besseren Fluss.

CW: Die Fans scharren mit den Hufen angesichts der startenden Playoffs. Wie ist die Stimmung im Team?

PB: Wir haben eine gute Stimmung im Team, denn jetzt beginnt das, was wirklich zählt. Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition und lange Heimrecht. Was wir uns erarbeitet haben, wollen wir mitnehmen und unseren eigenen Plan weiterhin mit viel Selbstvertrauen verfolgen. Wir haben definitiv ein Ziel vor Augen und arbeiten definitiv hart daran, das Ziel zu erreichen.

CW: Habt Ihr im Team über das frühe Aus der Dragons im letzten Jahr gesprochen?

PB: Ja, wir haben mal darüber gesprochen. Aber es war ein komplett anderes Team. Wir beschäftigen uns auch nicht mit der Vergangenheit. Unser Fokus liegt auf uns, auf einem neuen Team mit einer neuen Mentalität. Wir freuen uns sehr auf dieses Jahr, gehen mit viel Zuversicht in die Playoffs und denken von Spiel zu Spiel. Man kann nicht zu weit nach vorne blicken, das bringt die Konzentration durcheinander und lenkt von der nächsten Herausforderung ab.

CW: Danke für das Gespräch und viel Erfolg für die Playoffs.

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