29.10.2016
Nach 20 Punkten Rückstand: Dragons schlagen zurück

Durch eine denkwürdige Aufholjagd gewannen die Artland Dragons am Freitagabend bei den ROSTOCK SEAWOLVES mit 85:88 (51:35).

Gregory Graves (Nr. 7) sorgte mit seinem Dreier in der Crunchtime für eines der Highlights in einem turbulenten Spiel. (Foto: Christian Wüst)

1682 Zuschauer in der Rostocker StadtHalle standen – standen für den letzten Wurf in der regulären Spielzeit. 85:85 hieß es auf der Anzeigetafel, als Matt Reid den Ball acht Sekunden vor Ende des vierten Viertels in seinen Händen hielt. Der Spielmacher aus Las Vegas wusste: Für diese Momente ist er Basketballer geworden und genau deshalb war es der Veteran, der den Ball für die letzten Augenblicke der Partie nicht mehr hergab. Reid stand zwar immerhin ein 2,01 Meter großer und beweglicher Gegenspieler mit André Murillo gegenüber, doch er sah nur den Korb und die Chance, eine famose Aufholjagd nach zwischenzeitlich 20 Punkten Rückstand zu krönen. Kurz vor Ablauf der Spielzeit stieg Reid hoch, sah in diesem Augenblick vermutlich fast nur Murillos Handfläche in seinem Gesicht – und nicht, wie der Ball über das Brett in den Korb fiel und der Deutsch-Amerikaner zum Matchwinner avancierte. Die Artland Dragons waren der glückliche Gewinner in einer hochklassigen ProB-Partie.

Dabei hätten zur Halbzeit wohl nur wenige Zuschauer etwas darauf gegeben, dass das Spiel überhaupt nochmal an Spannung gewinnt. Rostock dominierte in der ersten Halbzeit vom Start weg, verlor nur dreimal den Ball, kontrollierte beide Bretter und hatte alleine im ersten Viertel schon elf Rebounds mehr als die Drachen auf ihrem Konto. Das Resultat: eine 27:18-Führung der SEAWOLVES nach dem ersten Viertel. Der zweite Spielabschnitt stand wiederum ganz im Zeichen eines Mannes: Jarvis Davis, schon vor dem Spiel bekannt als einer der besten Punktesammler der kompletten ProB, übernahm ab der 17. Spielminute in Eigenregie die Kontrolle über ein zweites Viertel, in dem die Drachen die Rostocker Führung nicht reduzieren konnten (36:24, 16.), aber immerhin im Angriff einige sehenswerte Würfe herausspielten. Das mussten die SEAWOLVES gegen Ende des zweiten Viertels ihrerseits nicht mehr, denn sie hatten Davis, der plötzlich jeden Wurf traf, den er aus jeder vorstellbaren Sphäre abfeuerte. Der quirlige US-Combo-Guard versenkte in fünf aufeinanderfolgenden Angriffen vier Dreier und einen Korbleger – sein letzter aus 8,50 Metern Entfernung zum 50:30 (19. Minute). Dragons-Kapitän Benjamin Fumey sorgte am Viertelende mit fünf Punkten in Serie dafür, dass sich der Abstand zur Halbzeitpause noch einigermaßen in Grenzen hielt (51:35).

„Wir sind lasch in das Spiel gestartet und haben vor allem nicht gereboundet. Ab dem Ende des ersten Viertels haben wir dann ganz ordentlich gespielt, wurden aber durch Davis‘ Wahnsinnswürfe ins Gesicht der Verteidigung gebremst. Zur Halbzeit haben wir uns gesagt, dass wir nicht verlieren dürfen, weil ein Spieler im Eins-gegen-Eins plötzlich alles trifft und wir in der Verteidigung nichts entgegensetzen“, schildert Dragons-Headcoach Dragan Dojcin die ersten zwanzig Spielminuten. Folgerichtig erhöhte seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel den Druck auf Jarvis Davis – mit Erfolg: Mit einer hartnäckigen Verteidigung über das ganze Feld zwangen die Drachen den Aufbauspieler in den ersten beiden Rostocker Angriffen gleich zu zwei Ballverlusten. Davis nahm anschließend für längere Zeit auf der Bank Platz.

In seiner Abstinenz übernahm Artlands Kapitän Benjamin Fumey das Kommando auf dem Feld. Der 29-Jährige zeigte sein komplettes Repertoire und verkürzte per Dreier auf 66:57 (30.). Wegweisend war in erster Linie jedoch die beherzte Verteidigungsleistung der Quakenbrücker im Teamverbund, die in der zweiten Halbzeit die SEAWOLVES zu zehn Ballverlusten zwang. Philipp Lieser unter anderem verrichtete einen starken Job gegen Jarvis Davis, der nach 23 Punkten in der ersten Halbzeit ‚nur‘ noch sechs Zähler in der zweiten Hälfte nachlegte. Nach einem weiteren Dreier durch Benjamin Fumey glichen die Drachen am Anfang des Schlussabschnitts erstmals seit dem Beginn des Spiels wieder aus (68:68, 33.).

Daraufhin entwickelte sich ein turbulenter Krimi. Nach einem erfolgreichen Korbleger durch Philipp Lieser zum 68:73 (34.) und einem 28:8-Lauf für die Drachen schienen sich die Gäste der Siegerstraße anzunähern. Die SEAWOLVES ließen jedoch nie die Köpfe hängen und plötzlich war es Brettspieler André Murillo, der mit zwei erfolgreichen Dreiern in Serie die Führung für die Ostseestädter zurückeroberte (83:82, 39.). Diese Serie konterte jedoch Dragons-Power-Forward Gregory Graves per Dreier trotz gegnerischen Fouls (83:85, 40.). Den Bonusfreiwurf konnte der Rookie jedoch nicht versenken und auf der Gegenseite meldete sich Jarvis Davis pünktlich zur Crunchtime zurück. Seine verwandelten Freiwürfe zum 85:85-Ausgleich sorgten aber nicht für die Verlängerung. Schließlich hatten die Burgmannsstädter einen abgezockten Spielmacher aus Las Vegas in ihren Reihen, der für Jubelfontänen bei den mitgereisten 30 Drachen-Anhängern sorgte – und für Erleichterung bei Dragan Dojcin: „Rostock hat ein hervorragendes Spiel abgeliefert. Das war eines der schwierigsten Partien in der ganzen Saison. Die Mannschaft hat eine ausgezeichnete Moral gezeigt.“

Vor den Artland Dragons liegen nun zwei Heimspiele – angefangen mit dem Spitzenspiel am kommenden Samstag (5. November, 19:30 Uhr) gegen die Iserlohn Kangaroos.

Viertelergebnisse: 27:18, 24:17, 15:24, 19:29

Für die Artland Dragons spielten: Reid (15 Punkte/3 Dreier, 6 Assists), Rockmann (8/2), Graves (15/3, 7 Rebounds, 3 Steals), Fumey (28/4, 11 Rebounds), Lieser (3, 5 Assists), Dimitrijevic (2), Cooper (2), Mesghna (5/1), Frazier (10/2).

Für die ROSTOCK SEAWOLVES spielten: Davis (29/4), Rivers (3, 5 Rebounds), Shuler (8, 8 Rebounds), Hellmann (0), Vogt (4), Winkler (5/1), Buntic (8/2, 5 Rebounds), Lopez (6), Murillo (22/2, 7 Rebounds, 4 Assists), Slavchev (0, 4 Rebounds); ohne Einsatz im Kader: Lange.

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